Sie sehen böse aus, böse und gefährlich. Fehlte gerade noch, dass die kleinen Parasiten dem Betrachter am Mikroskop frech mit ihren haarigen Beinen zuwinkten. Weniger nette Staubsaugerproduzenten als der Brite James Dyson, 57, würden ihre Kunden vielleicht mit großen Fotos der gemeinen Hausstaubmilbe zu erschrecken suchen, um sie zum Kauf eines neuen Haushaltsgerätes zu bewegen: Schließlich finden sich in einem durchschnittlich gepflegten Bett bis zu einer Million dieser Minimonster. Das ist sehr schlecht für Allergiker. Und obendrein eine eklige Vorstellung.

In Dysons Labor werden Hausstaubmilben nur zu einem Zweck geduldet: Man will herausfinden, wie ihnen am besten beizukommen ist. In ihrem Eifer bei der Milben-, Tierhaar-, Staub-, Asche- und allgemeinen Partikelvernichtung stehen Designer und Ingenieure, Filterexperten und Teppichspezialisten ihrem Meister in nichts nach: 350 von ihnen arbeiten in Dysons Forschungs- und Entwicklungszentrum in dem idyllischen mittelalterlichen Städtchen Malmesbury in Südengland.

James Dyson ist besessen von Schmutz. Oder nein: von der Abwesenheit von Schmutz. Auch falsch, denn das ließe ihn erscheinen wie eine putzwütige Hausfrau – und er ist eher ein britischer 68er. Vermutlich muss man sagen: Er ist besessen von Saugkraft. Seit mindestens 25 Jahren. Er hat einen Staubsauger erfunden, nach dem nicht mehr viel kommen kann. Einen Staubsauger, der anders ist als alle Vorgänger.

Achtziger Jahre: Banker, mögliche Lizenznehmer und potenzielle Investoren lachten Dyson ins Gesicht, bevor sie ihm und seinem Prototyp die Tür vor der Nase zuschlugen. Wohlmeinende Freunde sagten: "Aber James, wenn ein so viel besserer Staubsauger denkbar wäre, dann hätten Hoover oder Electrolux ihn doch längst erfunden."

Heute, in einem hellen Büro mit Holzfußboden und Vitra-Sesseln, in einem High-Tech-Firmensitz aus Glas und Stahl, mit Dependancen in 37 Ländern, als Marktführer in Großbritannien, nach dem Verkauf von 12 Millionen Staubsaugern, mit einem jährlichen Umsatz von 230 Millionen Pfund weltweit, lässt sich entspannt über jene Anfangsjahre plaudern. "Aber es waren finstere Zeiten", sagt Dyson: "Ich war hoch verschuldet, ich wusste nicht, wie ich meine Familie durchbringen sollte. Zum Verzweifeln: Ich hatte ein Produkt, von dem ich wusste, dass es besser war als alle anderen. Und niemand – nicht Hoover, nicht Zanussi, nicht AEG, Electrolux, Black & Decker, Vorwerk, Goblin oder Hotpoint – wollte das Geringste damit zu tun haben."

Dysons Geschichte ist eine Erfindergeschichte, in der Beharrlichkeit und Mut im Angesicht von Widrigkeiten und Großkonzernen zum Ziel führen. Sie ist umso schöner zu hören, als die Verkrustungen und die Ignoranz gegenüber echter Innovation, denen er begegnete, einmal nicht am bejammerten Standort D auftraten, sondern im für seine Reformfreudigeit gefeierten Großbritannien.

Nach dem Willen seiner Eltern und Lehrer hatte James Dyson Altphilologe werden sollen. Doch statt sich auf ein bildungsbürgerliches Studium in Oxford oder Cambridge vorzubereiten, malte er lieber fragwürdige braune Ölbilder, spielte Fagott, rannte Langstreckenrennen und stellte insgesamt über so lange Zeit einen so nonkonformistischen Charakter zur Schau, dass niemand mehr Kraft zum Widerstand hatte, als er sich nach einem mäßigen Schulabschluss an einer Londoner Kunstschule bewarb.

Sein Talent als Designer – vielleicht weniger das zur Ölmalerei – muss zu diesem Zeitpunkt schon erkennbar gewesen sein, denn er bekam die außergewöhnliche Möglichkeit, am Royal College of Art zu studieren. Dort konzentrierte Dyson sich auf Produkt- und Industriedesign: immer von dem Wunsch beseelt, nicht bloß bereits existierende Gerätschaften mit zusätzlichen Knöpfen und Zierleisten zu versehen, sondern echte Funktionsverbesserungen zu ersinnen. "Dinge können nur dann wirklich schön sein, wenn sie gut funktionieren", sagt er.