Viele Menschen bestehen darauf, sich regelmäßig die Lippen einzufetten. Stimmt es, dass die Talgdrüsen deshalb den Dienst quittieren und die Lippenbalsamierer abhängig werden von künstlichem Fett?Aron Eigner, kiel

Die Austrocknung der Lippen hat mit schlecht funktionierenden Talgdrüsen nichts zu tun, denn über die verfügen die Lippen gar nicht. Es geht um Feuchtigkeitsverlust, der besonders bei trockenem oder windigem Wetter droht. Ständiges Befeuchten der Lippen mit der Zunge verstärkt die Austrocknung noch. Die Stifte sollen eine schützende Fettschicht bilden, sodass weniger Wasser verdunstet.

Es gibt tatsächlich eine Menge Menschen, die solche Stifte nicht nur in Ausnahmesituationen anwenden, sondern praktisch ständig. Ein Stift liegt griffbereit neben dem Bett, einer im Büro, einer in der Handtasche. Im Internet gibt es sogar eine Website Lip Balm Anonymous, analog zu den Anonymen Alkoholikern.

Aber es gibt weder Anzeichen dafür, dass in den Lippenstiften psychisch abhängig machende Substanzen sind, noch dafür, dass die Lippen mit Balsamschicht schneller austrocknen als ohne. Die "Sucht" ist eher eine Gewöhnung an das angenehme Gefühl eingeschmierter Lippen. Wenn man es nicht tut, fehlt einem etwas – genauso wie bei der Gewöhnung an Hautcremes. Nach ein paar Tagen "Entzug" verschwindet dieses Gefühl. Andererseits sind vom übermäßigen Cremen auch keine Schäden zu erwarten, solange man Stifte mit möglichst wenigen Zusätzen (UV-Filter, Menthol) verwendet. Christoph Drösser

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