Ich war nicht bei meinem Vater, als er starb – aber nur fünf Minuten entfernt. Meine Stiefmutter, seine vierte Frau, weigerte sich, die Familie anzurufen. Keiner von uns wohnte damals mehr als 15 Minuten vom Krankenhaus entfernt. Sie rief stattdessen den PR-Menschen meines Vaters an. Wir hätten bei ihm sein können, um seine letzten Momente mit ihm zu verbringen. Aber sie wollte, dass in der Zeitung steht: "Seine Frau war bei ihm." Nicht: "Seine Frau und seine Kinder". Geblieben sind mir Filmaufnahmen, in denen ich uns heute zusammen sehen kann. Das sind gefrorene Momente, die mir sehr viel bedeuten.

Ich habe viele Abschiede erlebt. Ich habe Menschen sterben sehen – und war überrascht, dass es auch eine friedliche Erfahrung sein kann. Ich hoffe, meinen Freunden, die ich weggehen sah, eine Hilfe beim Übergang gewesen zu sein. Wir wissen nicht, ob Sterbende uns noch sehen oder hören, wenn der letzte Atemzug kommt. Als mein Mann starb, legte ich die Hand auf seine Schulter und sagte: Du warst ein wundervoller Mensch, du hattest ein gutes Leben. Ich liebe dich. Ich werde dich vermissen. Geh zum Licht. Habe keine Angst. Ich redete einfach immer weiter, um ihm die Furcht zu nehmen.

Vielleicht kann man mit Musik den Tod überwinden. Es gibt einige Schlüssel zur Unsterblichkeit – etwa Kinder. Wenn du sie gut aufziehst, werden sie deine Gedanken weitertragen. Man kann Gebäude nach dir benennen oder Autobahnen, du kannst große Bücher schreiben, und dein Name wird für immer auf einem Buchrücken in der Library Of Congress stehen – aber ich habe nicht das Ego, das sagt: Meine Musik ist dazu gemacht, dass ich ewig lebe.

Zwischen meinem 50. und 60. Lebensjahr hat sich für mich etwas verändert. Die Perspektive wird eine andere. Man erkennt: Es liegt schon mehr hinter mir als vor mir. Man sieht das Ende des Lebens näher rücken. Mir bleiben maximal noch 30 Jahre, realistisch geschätzt eher 20. Wenn man das vor sich sieht, blickt man zurück und fragt sich: Habe ich meine Träume verfolgt? Bin ich ihnen treu geblieben? Habe ich etwas erreicht? Habe ich mich um Menschen gekümmert, die nicht so viel Glück hatten wie ich? Es ist lebenswichtig für Menschen, Träume zu verfolgen. Ohne Träume existiert man einfach nur. Wie eine Pflanze.

Ich habe zwei Töchter großgezogen. Dadurch habe ich, wie alle Mütter, ein besonderes Verhältnis zum Wert des Lebens. Deshalb engagiere ich mich seit langem für zurückkehrende Soldaten. Ich hoffe, eines Tages wird unser Land begreifen, wie wichtig es ist, Soldaten und ihren Familien Unterstützung und eine anständige Gesundheitsversorgung zu bieten, statt sie einfach nur in den Krieg zu schicken. Es wird mehr Geld für den Krieg ausgegeben als für die Leute, die aus ihm zurückkehren. Ich hoffe, in eurem Land kümmern sie sich besser um die Leute, die gekämpft haben, als in meinem Land.

1967 habe ich für die Truppen in Vietnam gesungen. Es fällt mir heute noch schwer, darüber zu sprechen. Ich war in Feldlazaretten und Krankenhäusern, wo die Verwundeten eingeliefert wurden. Wir waren so nah an der Front, dass wir manchmal wegen eines nahenden Gefechts die Show abbrechen mussten. Damals betraf der Krieg einfach jeden. Die Männer, die eingezogen wurden. Die Frauen, die zurückblieben. Der Krieg betraf alle Menschen meiner Generation. Ich wusste zunächst überhaupt nicht, was ich tun sollte. Ich wollte helfen. Das war alles, was ich tun konnte. Ich war damals gegen den Krieg und bin es heute noch. Aber es ist besser, jenen Leuten zu helfen, die ihren Kopf hinhalten, als zu protestieren. Viele meiner Freunde haben damals demonstriert. Ich dachte, auf meine Weise könnte ich mehr erreichen. Ich bin nicht zu den Demonstrationen gegangen.

Heute würde ich auch nach Afghanistan oder in den Irak reisen, wenn man mich ließe. Wir haben uns darum beworben. Die Musiker der Band waren bereit dazu. Aber die Armee wollte mich nicht. Es wäre mir ein Anliegen, Menschen, die diese enormen Anstrengungen auf sich nehmen, Musik zu bringen und ein Lächeln in ihren Gesichtern zu sehen.

Jeder, den ich kenne, will Frieden. Ich kenne keinen Menschen, der Krieg will. Ich bin noch mit keinem Einzigen in Kontakt gekommen, der den Krieg im Irak wollte oder auch nur annähernd mit der amerikanischen Politik einverstanden wäre. Präsident Bush und seine Regierung haben keine Vorstellung vom Tod. Sie wissen nicht, was es bedeutet, wenn eine Kugel deinen Körper durchschlägt, wenn du einen Arm verlierst, wenn du irgendwo in der Wüste stirbst. Ich will keine Enthauptungen mehr sehen, keine ermordeten Kinder. Wir sollten aufhören, Kriege im Namen Gottes zu führen.