Ich freue mich darüber, dass ein Thema, das mir meine gesamte neunmonatige Dienstzeit hindurch unter den Nägeln brannte, endlich zur Sprache kommt. Ich habe durchaus viele Erfahrungen gemacht und einige Vorteile der Wehrpflicht kennen und schätzen gelernt. Zudem ist die viel zitierte Verankerung in der Gesellschaft eines der wichtigsten Argumente für die Wehrpflicht. Ohne sie wäre die Bundeswehr womöglich ein Sammelbecken für die im Artikel zitierten Unteroffiziersanwärter, die hauptsächlich von der Lage auf dem Arbeitsmarkt oder gar von einer drohenden Haftstrafe in die Truppe getrieben werden.

Doch damit sind wir beim Problem: Schön, dass General Schneiderhahn das mentale Potenzial seiner Wehrpflichtigen zu schätzen weiß. Schade ist jedoch, dass es so selten genutzt wird! Als wehrpflichtiger Mannschafter habe ich in der Marine hauptsächlich Toiletten geputzt, Teller gespült und Farbe von Metallteilen geschliffen. Die Riege der Unteroffiziere, die die Mannschaften führen sollen, ist hingegen oft von wenig kompetenten, vom Arbeitsmarkt frustrierten Persönlichkeiten durchsetzt. Das Offizierskorps kapselt sich ab und gibt Befehle aus der Ferne.

Was die Wehrgerechtigkeit angeht, ist der Optimismus des Generalinspekteurs sicherlich herzerwärmend. Ich allerdings sah mich während meines letzten Schuljahres und sehe mich jetzt im Studium als Mitglied einer sehr rar gewordenen Spezies. Als einer von wenigen ein Jahr seines Lebens in den Wind schießen zu müssen, trotz unbestrittenen Erfahrungswertes und einer Auszeit fürs Hirn: nicht besonders angenehm. Obwohl Sie die fehlende Wehrgerechtigkeit mit dem spöttischen Wörtchen angeblich versehen, halte ich dieses Problem doch für das größte von allen. Bevor wir uns also Artikel 12a und Artikel 24 des Grundgesetzes im Detail vornehmen, werfen wir am Besten noch einen kurzen Blick auf Artikel 3.

PAOLO RAMADORI, BERLIN

Die Wehrpflicht ist ein massiver Eingriff in die Grundrechte junger Männer.

Hier liegt das eigentliche Problem. Natürlich ist eine Zwangsverpflichtung günstiger als eine angemessene Bezahlung. Aber entspricht dies unserer Vorstellung einer modernen Demokratie? Und warum muten wir diesen Zwang nur Männern zu? Wenn Frau Gaschke von der Effizienz der Wehrpflicht überzeugt ist, warum fordert Sie dann nicht eine allgemeine Verpflichtung von Frauen und Männern?

Die Antwort ist einfach! Frauen würden sich eine Zwangsrekrutierung nicht gefallen lassen. Dieser Lernprozess steht Männern erst noch bevor.