DIE ZEIT: Herr Walter, die Finanzbranche trommelt für die private Altersvorsorge als Antwort auf das Demografieproblem. Aber müssen nicht auch in kapitalgedeckten Verfahren letztlich die Jungen für die Alten aufkommen – wer schafft denn die Erträge, von denen die Alten leben sollen?

Herbert Walter: Diejenigen, die arbeiten natürlich, daran kann und wird sich nichts ändern. Aber wenn wir jetzt mit der privaten Altersvorsorge beginnen, nehmen wir den künftigen Erwerbstätigen eine Last von den Schultern. Wir leben dann nicht mehr nur von der Hand in den Mund, sondern werden zudem unseren Kapitalstock vergrößert und modernisiert haben. Das wiederum steigert im Vergleich zum gegenwärtigen Umlageverfahren das künftige Volkseinkommen. Vor allem aber halte ich es für eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn sich meine Generation – die Babyboomer – ganz und gar darauf verließe, dass unsere Kinder und Enkel die Rente bezahlen. Wir haben so gut gelebt wie keine andere Generation.

ZEIT: Deutschland exportiert pro Jahr rund 100 Milliarden Euro Kapital in den Rest der Welt. Sie sehen: Hierzulande wird gar kein größerer Kapitalstock aufgebaut.

Walter: Auch Auslandsinvestitionen sichern die Renten ab. Das Geld wird dort investiert, wo die höchsten Renditen erzielt werden. Ein Grund dafür kann die positive demografische Entwicklung in diesen Ländern sein.

ZEIT: Moment. Es gibt ja noch Wechselkurse und Währungskrisen. Ist es nicht ziemlich riskant, heute Geld in Indien oder Brasilien anzulegen, nur weil dort die Alterspyramide besser ist?

Walter: Natürlich. Gelder für die Altersvorsorge müssen sicher investiert werden. Darum ist ein professionelles Management der Anlagen so wichtig. Auf die Mischung kommt es an.

ZEIT: Die Gefahr ist damit nicht aus der Welt.