Wer hätte gedacht, dass auf einer einzigen CD so viel gute Laune Platz findet, so viel Fröhlichkeit und Schäkersinn? Die amerikanische Sopranistin Barbara Bonney und die Salzburger Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager tun sich auf der CD First Encounter zu einer ersten musikalischen Begegnung zusammen - und jubilieren wie die Nachtigallen, gurren wie zwei junge Täubchen, schnurren auf Anhieb vor gegenseitigem Wohlbehagen (Sony 93133).

Felix Mendelssohn-Bartholdy und Fanny Hensel, Robert Schumann, Johannes Brahms und Antonin Dvorak - Ihnen allen scheint das Komponieren von Duetten in der Tat kaum anderes beschert zu haben als goldene Liebchen, als Vergißmeinnicht und Ehrenpreis, als Bächlein, Bräutlein, Olivenbäumchen, Köpfchen, Kröpfchen, Herzchen und Kränzlein.

Die Welt im Klitzekleinen also - erzromantisch und butzenscheibenselig auf der einen Seite, klaustrophobisch-unheimlich auf der anderen. Der Volksliedton macht, dass sie uns dennoch bis heute so heimelig und traut erscheint, und das Changieren der Zweistimmigkeit zwischen Rollenspiel und Objektivierung, es steht merkwürdig quer dazu. Mal, eher selten, neigt sich das Ganze zum Dramolett hin (wie in Brahms' Die Schwestern), mal (wie in Mendelssohns Gruß oder Schumanns Wenn ich ein Vöglein wär) spreizt es sich in die harmonische und also: räumliche Abstraktion. Als könnte eine Stimme allein niemals sagen, was an Spannung, an Versprechen zwischen einem Ich und einem - wenngleich imaginären - Du sich ereignet.

Bonney und Kirchschlager mögen in diesem Sinn ein ideales Paar sein. Ihre Timbres - Bonneys kernig-silbriger Sopran, Kirchschlagers heller Mezzo - verhalten sich derart symbiotisch zueinander, dass man fast erschrickt, wenn die eine oder andere Stimme sich solistisch erhebt. Auch optisch sind die beiden, wovon das Booklet ausführlich Zeugnis ablegt, eine rechte Augenweide.

Gleichwohl: Die lyrische Glut der Kombination Edith Mathis/Brigitte Fassbaender, die gläserne Erotik der Damen Elisabeth Schwarzkopf und Irmgard Seefried, das slawische Grollen von Edita Gruberova mit Vesselina Kasarova (namentlich in Dvoraks Mährischen Duetten op. 32) erreichen sie selten. An Malcolm Martineau, dem Pianisten, liegt das nicht. Der waltet mit fein nuancierter Anschlagskultur seines Amtes, atmet und unterstützt, fordert und fördert. Vielleicht fehlt es den Sängerinnen bei allem Temperament hie und da doch an prononcierter Artikulation, an Witz, Schärfe und Bösartigkeit im interpretatorischen Zugriff. Vielleicht sind Bonney und Kirchschlager ganz einfach ein bisschen zu brav und lesen Stücke wie Brahms' Boten der Liebe, die von nichts als von wildem, ungezügeltem Begehren künden, (noch) zu stark vom Blatt. Das Maiglöckchengeläut dieser Lieder, es mag sich in unseren heutigen Ohren schrecklich betulich ausnehmen und sträflich eskapistisch.

Verführerisch aber ist diese Gegenwelt allemal. Mehr Psychoanalyse wagen also - und weniger Märchen!