DIE ZEIT: Frau Fiorina, in Deutschland tobt eine heftige Debatte über die Höhe der Arbeitskosten. High-Tech-Firmen wie Siemens oder Philips behaupten, der Standort sei zu teuer, um Massenprodukte günstig herzustellen. Ihre Firma beschäftigt in Deutschland 9000 Mitarbeiter. Wie lange noch?

Carly Fiorina: Das hängt ganz von Deutschland ab. Wir sind hier seit fast 50 Jahren aktiv, unsere Mitarbeiter verteilen sich auf 30 Standorte. Jedes Mal, wenn ich mit deutschen Politikern über die Reformen in Ihrem Land spreche - und zuletzt hatte ich einige sehr offene Diskussionen -, dann betone ich, wie wichtig diese Reformen für ein Unternehmen wie Hewlett-Packard sind.

Natürlich wollen wir gern in Deutschland bleiben und hier weiter wachsen.

ZEIT: Welche Chance hat ein Land wie Deutschland denn überhaupt noch im globalen Wettbewerb? Gerade die IT-Industrie macht es doch möglich, dass Jobs heute per Mausklick ins günstigere Ausland verlagert werden.

Fiorina: Es stimmt schon, wir befinden uns in einer völlig neuen Welt. Der wirklich globale Wettbewerb zwischen Ländern und Standorten hat sich erst in den vergangenen zehn Jahren entwickelt, und deshalb kann man die heutige Situation auch nicht mit der Lage vor zwanzig Jahren vergleichen. Früher konnten sich die Menschen in Deutschland oder den USA gar nicht vorstellen, was es heißt, mit einem Land wie China konkurrieren zu müssen. Oder mit Indien. Heute stehen wir voll im Wettbewerb. Umso wichtiger ist es für die alten Industriestaaten, alle Kraft darauf zu konzentrieren, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steigern: das heißt, in Bildung zu investieren, die Arbeitswelt flexibler zu gestalten, mehr Geld in die Forschung zu stecken.

ZEIT: All das hält ein Unternehmen doch nicht davon ab, dorthin zu gehen, wo die Kosten am niedrigsten sind und der Profit am höchsten ist.

Fiorina: Natürlich kann sich ein weltweit agierendes Unternehmen wie HP heute sehr bewusst entscheiden, was es wo produziert. Wir sind in 178 Ländern vertreten, und es wäre mehr als fahrlässig, wenn wir nicht ganz genau überlegen würden, wie wir die Chancen dieser weltweiten Präsenz dafür nutzen, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Ist das unpatriotisch? Ganz bestimmt nicht. Und was Deutschland betrifft: Ich glaube, dass die meisten Menschen inzwischen begriffen haben, dass einige schwierige Entscheidungen notwendig sind, damit dieses Land wettbewerbsfähig bleibt.