Deutschlands Schüler haben sich auch in der zweiten PISA-Studie nicht verbessert. Nach dpa-Informationen landen sie in allen drei Testdisziplinen nur in der unteren Hälfte der Leistungstabelle von 31 Industriestaaten. Beim aktuellen Schwerpunkt Mathematik konnten sie sich um drei Plätze verbessern und belegen jetzt den 17. Rang. Beim Lesen und Textverständnis, die Schlüsselkompetenz für das Lernen in Schule und Beruf, kommen sie dagegen nur auf Platz 20. Für die neue Studie waren im Frühjahr 2003 bundesweit 50.000 Schüler im Alter von 15 Jahren getestet worden.Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen (SPD), wollte die Ergebnisse – die offiziell erst am 7. Dezember veröffentlicht werden – weder bestätigen noch dementieren. Aber auch sie warnte vor zu großen Hoffnungen auf eine schnelle Verbesserung deutscher Schüler: "Größere Veränderungen sind in einem so komplexen System wie der Schule innerhalb eines eineinhalbjährigen Zeitraums nicht erwartbar (...)," erklärte die rheinland-pfälzische Kultusministerin. Für Niedersachsens Bildungsminister Bernd Busemann (CDU) sind Bildungsergebnisse "Langzeitentwicklungen, die sich nicht von heute auf morgen sprunghaft verbessern lassen."Dagegen äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit scharfer Kritik an den Kultusministern. Zwischen der Veröffentlichung des ersten PISA-Schultestes im Dezember 2001 und der neuen PISA-Erhebung im Sommer 2003 seien fast 18 Monate vergangen. "Wertvolle Zeit zum Beispiel für Sofortmaßnahmen in der Lehrerweiterbildung, Zeit für ein groß angelegtes Lese- und Sprachförderprogramm vor allem in den Hauptschulen blieb ungenutzt", bemängelte GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer in einem dpa-Gespräch. Sollten sich die PISA-Ergebnisse bestätigen, dann sei dies die "Quittung für richtungslose Werkelei" und für die ständigen Verschlechterungen der Lern- und Arbeitsbedingungen in den Schulen, sagte GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer. Wenn fast jeder vierte 15-jährige Schüler in Deutschland Probleme habe, selbst einfache Texte richtig zu lesen und zu verstehen, "muss es als Katastrophe gewertet werden", sagte sie weiter. "Die Pädagogische Aufbruchstimmung braucht einen anderen Nährboden als ihn die Kultusminister derzeit bereiten." Die Untersuchung belegt erneut, dass in keinem anderen vergleichbaren Staat der Welt der Schulerfolg so stark von Einkommen und Vorbildung der Eltern abhängt wie in Deutschland. Bei gleicher Begabung hat ein Akademikerkind in Deutschland eine mehr als dreimal so große Chance, das Abitur zu erlangen, wie ein Facharbeiterkind. Das deutsche Schulsystem versagt bei der Förderung von sozial schwachen Kindern und Migranten. (AXW) mit dpa