Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr verehrte Stifter und Juroren des Marion Dönhoff Preises,
sehr geehrte Damen und Herren! Das Maximilian-Kolbe-Werk dankt für die hohe Auszeichnung und die große Anerkennung durch die Verleihung des Marion Dönhoff Förderpreises. Ich danke namentlich Ihnen, lieber Herr Reiter, dass Sie uns und unser Wirken mit so liebenswürdigen Worten charakterisiert haben.Wir freuen uns über die Würdigung unserer Arbeit, unseres Bemühens um Versöhnung zwischen dem deutschen und dem polnischen Volk, weil hierdurch das Engagement vieler ehrenamtlich Tätiger in Polen und in Deutschland anerkannt wird. Im Mittelpunkt der Anerkennung stehen freilich die Überlebenden der Konzentrationslager und der Ghettos selbst. Denn erst durch ihre Bereitschaft, unsere ausgestreckte Hand zu ergreifen, konnten Schritte der Versöhnung gelingen, konnten viele neue Freundschaften geschlossen werden. Daher ist es mir eine besondere Freude, dass mein Freund Zygmunt Kauc, der Sprecher unserer polnischen Vertrauenslaute, der seine Jugend in deutschen Konzentrationslagern und in sowjetischen Arbeitslagern verbracht hat, heute im Alter von 80 Jahren unter uns ist.Dass uns der diesjährige Förderpreis zuerkannt wurde, freut uns noch aus einem anderen Grund. Das Wort Fördern beinhaltet eine Zukunftsperspektive. Welche Perspektive verfolgen wir für die Zukunft? Wir werden einerseits unseren selbst gewählten Auftrag gemeinsam mit den Überlebenden der Konzentrationslager und der Ghettos vollenden. Wir werden aber andererseits auf der Grundlage unserer reichen Erfahrungen den Versuch unternehmen, überall in Europa, wo schuldbehaftete Vergangenheit ein Hindernis für ein friedliches und versöhntes Zusammenleben ist, eine Hürde auf dem Weg europäischer Einigung, Schritte der Versöhnung zu gehen. Wir werden diese Schritte gemeinsam mit den jeweiligen Opfern und möglichst auch mit den Tätern gehen, deutsch-polnische Schritte zunächst, die aber offen sind für das Mittun von Partnern aus anderen Ländern, so dass hoffentlich europäische Weggemeinschaften der Versöhnung in unserem zusammenwachsenden Kontinent entstehen.Papst Johannes Paul II. hat uns in seiner Botschaft zu unserem 30-jährigen Bestehen im vergangenen Jahr ermuntert, solche Wege der Versöhnung in Europa zu gehen. Wir werden, wie schon in der Vergangenheit, auch zukünftig die Botschaft der Versöhnung nicht in Worte, sondern in aktives Handeln kleiden. Damit bleibt unser Werk Maximilian Kolbe treu, der seiner Botschaft der Versöhnung nicht durch Worte, sondern durch Handeln Ausdruck verliehen hat, durch sein Sterben, stellvertretend für einen polnischen Familienvater im KZ Auschwitz.Meine Damen und Herren, Sie haben uns mit dieser Preisverleihung Mut gemacht, unseren Weg weiterzugehen. Für diese Ermutigung danke ich Ihnen von ganzem Herzen.