Trojanische Saaten dokumentiert, wie die Sicherheitsprüfungen einiger genmanipulierter Produkte gescheitert sind, etwa im Fall der Kartoffel mit dem Schneeglöckchen-Gen. Der britische Gentechniker Arpad Pusztai hatte eine Kartoffel geschaffen, die ihr eigenes Pestizid herstellt. Als er damit Ratten fütterte, erlitten die Tiere Schäden am Immunsystem. Doch bevor er mit diesem Ergebnis 1998 an die Öffentlichkeit gehen konnte, wurde er vom Dienst im schottischen Rowett Institute suspendiert. Über die heißen Kartoffeln entbrannte ein Streit in den britischen Medien. Viel Energie wurde darauf verwendet, Standpunkte anzugreifen und zu verteidigen, schreibt Smith. Sehr wenig kümmerte man sich um Sicherheitstests.

Ähnlich ging es im Fall des gentechnisch veränderten Hormons rbGH der Firma Monsanto zu, das Kühen gespritzt wird, damit sie mehr Milch geben. Das Hormon war im Februar 1994 in den USA zugelassen worden, Wissenschaftler der zuständigen US-Behörde FDA, die das kritisiert hatten, wurden bedroht oder suspendiert. Dabei war längst nicht klar, was das Hormon mit den Kühen anstellte und mit den Menschen, die ihre Milch tranken. Die Injektionen mit dem umstrittenen rbGH lassen die Menge eines weiteren Wachstumshormons bei den Kühen ansteigen, so viel war unstrittig. Die Monsanto-Forscher behaupteten nun, der Hormongehalt der Milch verändere sich nicht. Andere Wissenschaftler widersprachen. Das Hormon werde bei der Pasteurisation nicht zerstört und löse beim Menschen möglicherweise Krebs aus.

Smith löst das Knäuel widersprüchlicher Aussagen auf und weist auf die Fehler der Studien hin, die zu einem positiven Ergebnis gekommen sind. Nach der Lektüre ahnt man: Diese Vorgänge sind so komplex, dass am Ende kein Richtig oder Falsch stehen wird. Es scheint ziemlich leicht zu sein, eine Studie so anzulegen, dass man das gewünschte Ergebnis erhält. Und umgekehrt ist es schwer, die Ursachen von Krankheiten oder Allergieattacken herauszufinden. So war es eher Zufall, dass die amerikanischen Ärzte die mysteriöse neue Krankheit EMS mit dem Nahrungsmittelzusatz L-Tryptophan in Verbindung brachten. Die Herstellerfirma Showa Denko gab an, ein Reinigungsfehler sei für die zum Teil tödlichen Erkrankungen verantwortlich gewesen sei. Smith hingegen zeigt, dass gentechnisch veränderte Bakterienstämme die Krankheiten ausgelöst haben.

Schnell auf den Markt, bevor sich Widerstand regt

Was Smith über die Beeinflussung der Zulassungsbehörde FDA und die Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft schreibt, ist so abenteuerlich, dass man immer wieder im umfangreichen Fußnotenapparat nachschlägt, um sich der Quelle zu vergewissern. Smith belegt Satz für Satz, was er behauptet, und wo er sich nicht sicher ist, argumentiert er sehr vorsichtig. Dennoch hätte die Sorgfaltspflicht nicht nur Gespräche mit den entlassenen Kritikern erfordert, sondern auch die Stellungnahmen ihrer Gegenspieler. Die aber fehlen.

Smith schreibt in bewährter angelsächsischer Sachbuch-Manier, leicht verständlich und mit Reportage-Elementen. Geschickt platziert er Informationen über alte Skandale, etwa dass die Firma Monsanto lange behauptet hatte, ihr Entlaubungsmittel Agent Orange sei für Menschen nicht gefährlich. Sicherheitstests für neue Stoffe sind so teuer, dass es für viele Unternehmen opportun ist, sie zu umgehen oder die Zulassungsbehörden zu beeinflussen. So erscheint die Kennzeichnungspflicht für genmanipulierte Nahrung und Futtermittel in neuem Licht. Es geht nicht allein um Transparenz für den Verbraucher, sondern auch darum, dass Genmanipulationen als Verursacher möglicher Gesundheitsschäden leichter zu entdecken wären.

Die Stärke des Buches liegt darin, dass es die neue Technik der Veränderung von Genen in den großen Zusammenhang stellt. Smith zeigt, wie die Industrie Einfluss auf Politik und Medien nimmt. Smith listet eine ganze Reihe von strategischen Jobwechseln zwischen Monsanto und US-Regierungsbehörden auf.