Heuer: : Jeder will es, wenige haben viel davon und keiner hat genug: Es geht ums Geld. Aber an dieser Stelle einmal nicht um genaue Zahlen, um die Schulden des Bundes, um Börsenkurse oder das durchschnittliche Bruttoeinkommen der Deutschen, sondern darum, was Geld uns bedeutet, wofür es steht, wie wir damit umgehen. Die Psychologie des Geldes ist ein Gegenstand, über den beispielsweise die Commerzbank forschen lässt. Heute veröffentlicht das Geldinstitut eine Studie über das Verhältnis speziell von Frauen zum Geld. Wir möchten darüber mit einer Praktikerin sprechen, und zwar mit Mechthild Upgang, Vorstandsmitglied im Bundesverband unabhängiger Finanzdienstleisterinnen für Frauen; das Ganze kürzt sich WUFF ab. Frau Upgang, gehen Frauen grundsätzlich anders mit Geld um als Männer? Upgang: : In der Regel ja. Das ist darauf zurückzuführen, dass Frauen genau wie Männer ökonomisch handeln, und da wir es in Deutschland immer noch so haben, dass die meisten Frauen sich um die Familie kümmern, das heißt ihre Erwerbstätigkeit einschränken müssen, wenn sie Familien gründen, gehen sie in der Regel vorsichtiger, sparsamer mit dem Geld um, und haushalten einfach besser, um sich auch für diese Situationen gewappnet zu fühlen. Heuer: : Hat das jetzt nur mit den Lebensumständen von Frauen zu tun, oder bedeutet Geld Frauen auch etwas anderes? Upgang: : In der Regel hat Geld für Frauen eine andere Funktion, da Frauen in der Regel über viele Jahrzehnte lang über kein eigenes Geld verfügen konnten und durften. Das heißt, sie sind ein wenig unsicherer im Umgang mit Geld. Es ist ihnen nicht ganz so vertraut. Aber im Laufe der letzten 20 Jahre ist auch da der Umgang von Frauen mit Geld relaxter geworden. Heuer: : Ist Geld Frauen nicht so wichtig? Upgang: : Nein, Geld ist Frauen nicht so wichtig, sondern nur was am Gelde hängt, ist den Frauen wichtig, also die Beziehungsebene ist ihnen wichtiger. Zahlen - das merke ich auch in meiner Beratungspraxis - imponieren Frauen nicht. Das interessiert sie nicht, sondern sie interessiert in der Regel, was kann ich für mich und meine Familie mit dem Geld machen, und was bedeutet Geld auf der Beziehungsebene, das heißt, kann ich meinen Kindern eine Ausbildung damit finanzieren, kann ich unsere Familie absichern, kann ich mir mein Alter leisten? Aber nicht, dass sich irgendeine Kurve auf irgendeinem Blatt Papier nach oben bewegt, das imponiert Frauen gar nicht. Heuer: : Entwicklungshelfer setzen ja seit Jahren auf Frauen, um langfristige Verbesserungen zu erreichen. Sind Frauen auf dem Hintergrund, den Sie gerade geschildert haben, die besseren Haushälter? Upgang: : Auf alle Fälle. Entwicklungshelfer setzen ja vor allen Dingen deshalb auch auf Frauen als Kreditnehmerinnen, weil sie fast immer ihre Kredite zurückzahlen, eben auch deshalb, weil sie in der Regel große Investitionen vorher lange überlegen, sich nicht spontan hinreißen lassen. Das merken wir auch in unserer Beratungspraxis zwischen Männern und Frauen. Sie können Männer viel schneller begeistern, Geld auch in risikoreichere Anlageformen zu investieren, wenn Sie sagen, da kommt viel bei rum, und Frauen prüfen das erst, weil erst mal springt die Begeisterung nicht rüber, sondern sie planen und sind deshalb sicherlich auch die vorsichtigeren Kreditnehmerinnen. Heuer: : Sind sie auch die besseren Finanzministerinnen? Upgang: : Es kommt darauf an, was sie zu verwalten haben. Das heißt, wenn es um die Haushaltskasse geht - ich spreche hier mal von 80 Prozent der Frauen -, sind sie sicher. Was aber ihre eigene Altersvorsorge angeht, sind die Frauen die schlechteren Finanzministerinnen. Heuer: : Und im Bund? Upgang: : In der Bundesrepublik Deutschland zeigen Frauen, dass sie eher gut mit dem Geld umgehen können. Wir müssen natürlich sehen, dass bis jetzt auch fast immer nur Männer die schlechten Beispiele geliefert haben. Insofern stehen wir Frauen auch vielleicht noch in der Beweisschuld. Heuer: : Vielleicht kann es ja besser werden. Kann man den richtigen Umgang mit Geld lernen? Upgang: : Sicherlich. Was das Wichtigste beim Umgang mit Geld ist, ist sicherlich, dass wir selber prüfen, was wir mit dem Geld erreichen wollen und unseren Verstand da einsetzen, und da wäre es sicherlich gut, sich genau damit auseinanderzusetzen, wie man das eigene Leben plant. Ich denke, der Umgang mit Geld im eigenen Bereich müsste genauso geplant werden wie Unternehmer ihr eigenes Unternehmen planen, das heißt, wo möchte ich in zehn, in dreißig Jahren sein? Das kann man lernen, so dass es nicht immer nur spontan geschieht. Heuer: : Kann man das schon bei der Erziehung erreichen, und wenn ja, wie? Upgang: : Sicherlich kann man es bei der Erziehung erreichen, indem wir bestimmte Rollen vorleben. Das heißt, wenn immer vorgelebt wird, dass der Mann das Geld nach Hause bringt und die Frau wirklich nur die Haushaltskasse verwaltet, sehen Jungen und Mädchen, dass Männer und Frauen sehr unterschiedlich mit dem Geld umgehen, dass Mädchen das Gefühl haben, sie werden nur versorgt. Ich weiß das von einer Freundin, die selber sogar erwerbstätig war, wo die Tochter sagte, ich will genau das Gleiche werden wie du, Mama, nämlich nichts machen und einen guten Mann heiraten. Das war für sie sehr frustrierend. Das heißt, wir leben da auch bestimmte Rolle vor, und da müssen wir natürlich vorsichtig sein. Heuer: : Ist Geld ein Statussymbol? Upgang: : Das ist auf alle Fälle ein Statussymbol, vor allem aber für Männer, während viel Geld Frauen nicht attraktiv macht. Das sehen Sie auch immer in diesen Doku-Soaps, wo ganz klar ist, dass die reichen Frauen nicht die begehrten Frauen sind, sondern eher die Frauen, mit dem man vorsichtig umgeht. Das heißt, für Frauen - das sehen wir auch in unserer Beratungspraxis - ist es in der Regel nicht positiv besetzt, mit Geld Statussymbole anzuhäufen. Im Gegenteil: Ich kenne viele Frauen, die sehr vermögend sind und lieber einen Wagen der Mittelklasse fahren, damit es niemand merkt. Heuer: : Sie machen Finanzberatung gezielt für Frauen. Sind Frauen bei nichtgeschlechtspezifischen Anbietern schlechter beraten? Upgang: : Das kann man so nicht sagen, sondern im Vordergrund steht immer die Qualität der Beratung. Nichtgeschlechtspezifische Anbieter können genauso qualifiziert beraten wie eben auf Frauen spezialisierte Beraterinnen, und es gibt sicherlich auch die eine oder andere Beraterin, die nicht qualifiziert berät. Aus dem Grunde haben wir auch den Bundesverband gegründet, um eben auch bestimmte Qualitätsstandards auch einzuführen. Es reicht nicht aus, einfach nur zu sagen, wir beraten von Frau für Frau. Das ist an sich überhaupt gar kein Qualitätsmerkmal. Heuer: : Wenn eine Frau in eine Bank geht, wird sie anders behandelt als ein Mann? Upgang: : Es kommt darauf an, wen sie dort trifft. Es gibt mittlerweile sicherlich auch Männer wie Frauen, Beraterinnen, die sehr offen sind und sich wirklich um die Menschen kümmern. Häufig ist das große Problem, dass die Bankberater und -beraterinnen produktorientiert beraten müssen, und diese Produkte, die angeboten werden, passen manchmal besser auf Männer. Das heißt, es steht nicht immer im Vordergrund, den Menschen, den Kunden, die Kundin zu sehen, sondern das zu verkaufen, was gerade angeboten wird. Wenn es jetzt das Containerschiff oder der Immobilienfond ist, den kann ein Mann besser kaufen, wenn er ein höheres Einkommen hat - und das hat er im Schnitt - als eine Frau, die es dann nicht braucht. Heuer: : Ich danke Ihnen für das Gespräch. ©Deutschlandfunk 2004