Starbankerin Licci soll Privatkundensparte sanieren

Die HypoVereinsbank will mit einem weitreichenden Umbau ihres Managements frischen Wind in das Deutschlandgeschäft bringen: Künftig wird Glamour-Karrierefrau Christine Licci Chefin des hiesigen Privatkundengeschäfts sein. Es ist ein erneuter Karrieresprung der ehemaligen Citybank-Vorstandsvorsitzenden: Die künftige Chefin ist die erste Frau im Vorstand der zweitgrößten börsennotierten deutschen Bank und mit 40 Jahren jüngstes Mitglied der Führungsriege.

Starbankerin Licci soll Privatkundensparte sanieren

Dem Vorstand   der Münchener Großbank gehören künftig sieben statt bisher sechs Mitglieder an, teilte die HVB am Montag mit. Der für Österreich und Osteuropa zuständige Vorstand Gerhard Randa (60) scheidet zur Hauptversammlung im Mai 2005 aus. Bei der Citibank hat sich Licci einen Ruf als Star-Bankerin erworben, das manager magazin kürte sie vor einem Jahr zur "Managerin des Jahres". Nach ihrem überraschenden Abgang bei der Citibank im Frühjahr, dessen Hintergründe nie komplett öffentlich wurden, soll sie zum 17. Januar frischen Wind in die HypoVereinsbank und gemeinsam mit Immobilienexperten Johann Berger das Deutschlandgeschäft auf Vordermann bringen.
 
Ihre Karriere begann die gebürtige Kastelrutherin als Trainee bei der Mailänder Filiale der Dresdner Bank. 1992 kam sie für die Schweizer Großbank UBS nach Frankfurt, wo sie 1996 zur amerikanischen Citibank wechselte, die in der Branche als kostenbewusst und straff geführt gilt. Die Citibank gehört zur Citigroup, größter und mächtigster Allfinanzkonzern der Welt. Mit nur 37 Jahren bekam Licci nach zwei Jahren Vorstandsmitgliedschaft die Leitung der Citibank Privatkunden AG Deutschland in Düsseldorf übertragen. Unter ihrer Führung legte die Bank mit drei Millionen Kunden mitten in der Branchenkrise drei Mal hintereinander ein Rekordergebnis vor. Nur im vergangenen Jahr musste Licci bei der Citibank einen Gewinnrückgang verantworten. Es heißt jedoch, sie habe die Citibank auf eigenen Wunsch verlassen. 

Dass man mit dem Privatkundengeschäft als Bank in Deutschland Geld verdienen kann, hat Licci bereits bewiesen. Dieses Kunststück soll sie nun bei der HVB wiederholen. Experten bezweifeln jedoch, dass dies so einfach wird, denn die schlanke und mit stark standardisierten Produkten operierende Citibank habe stark auf anonyme Abläufe gesetzt. Die HypoVereinsbank hingegen ist eine klassische Filialbank. Außerdem steht der HVB   ein schmerzhaftes Sparprogramm im kommenden Jahr bevor, dem laut Branchenschätzungen bis zu 3.000 Arbeitsplätze der insgesamt 26.300 Stellen zum Opfer fallen könnten. Die Bank saß zuletzt auf faulen Krediten im Volumen von rund 14 Milliarden Euro, darunter zahlreiche Immobilienaltlasten. Für die schwierigen Verhandlungen eilt Licci ein guter Ruf voraus. Ihre Mitarbeiter und Kollegen bei der Citibank waren von ihrer offenen und herzlichen Art begeistert. Für die schwierige Aufgabe bei der HypoVereinsbank ist das schon einmal eine gute Voraussetzung.

Carola Padtberg (mit dpa, reuters)