DIE ZEIT: In drei Monaten wird in Schleswig-Hol-stein gewählt. Hätte sich die SPD kein einfacheres Wahlkampfthema aussuchen können als ausgerechnet die Idee, die Gesamtschule einzuführen?

Ute Erdsiek-Rave: Wir wollen eine Gemeinschaftsschule, die die Kinder bis zum Ende von Klasse 9 oder 10 zusammenlässt. Das ist sozial gerechter und schöpft die Begabungen besser aus. Langfristig – das heißt eben nicht von heute auf morgen, das ist nicht möglich.

ZEIT: Sondern?

Erdsiek-Rave: Wir planen einen sanften Übergang, ein Jahrzehnt der Kooperation mit vielen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Schulen. Realschulen können sich mit Hauptschulen oder Gymnasien vereinen. Ebenso ist es denkbar, dass sich drei Schulformen unter einem Dach zusammenfinden, um erst nur wenige, später immer mehr Fächer zu integrieren. Nach der Devise: So viel Trennung wie nötig, so viel Kooperation wie möglich.

ZEIT: Viele Verbündete haben Sie aber nicht.

Erdsiek-Rave: Ihre Zahl wächst in Schleswig-Hol-stein wie in ganz Deutschland stetig.Vertreter der Wirtschaft, der Elternschaft stellen zunehmend die frühe Auslese infrage. Aber wir brauchen eine regelrechte Aufklärungskampagne über die Vorteile eines integrierten Schulsystems. Sollten die vorab bekannt gewordenen Ergebnisse der neuen Pisa-Studie stimmen, werden sie der Debatte um mehr Bildungsgerechtigkeit Auftrieb geben.

ZEIT: Herr Oelkers, was dachten Sie, als Sie hörten, ein deutsches Bundesland will das gegliederte Schulsystem abschaffen?