Was halten Eltern von Gesamtschulen? Wollen die Deutschen wirklich Eliteunis? Und wem geben sie die Schuld an der Bildungsmisere? Das sind einige der Fragen, die das neue "Bildungsbarometer" beantworten soll, von heute an viermal im Jahr in der ZEIT und in der Sendung "Kulturzeit", die donnerstags um 19.20 Uhr auf 3sat läuft. Entwickelt wurde das "Bildungsbarometer" vom Zentrum für empirisch-pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau. Über die Studie sprachen wir mit dem Geschäftsführer des zepf, Reinhold Jäger.

DIE ZEIT: Die Bildungsstudien häufen sich. Brauchen wir da auch noch ein Bildungsbarometer?

Reinhold Jäger: Die Pisa-Studien gehen in Deutschland mit heftigen Diskussionen über Bildung einher, aber die Debatte beschränkt sich überwiegend auf elitäre Bildungs- und Politzirkel. Mit dem Bildungsbarometer schaffen wir die Möglichkeit, diese Themen in der Bevölkerung breiter als bisher zu erörtern. Wir brauchen eine stärkere Partizipation der Bürger. Welche Förderung wollen beispielsweise Eltern für ihre Kinder? Wo liegen Erziehungsdefizite, und wer ist dafür verantwortlich? Wir schaffen mit dem Bildungsbarometer ein Monitoring, das bildungspolitische Entscheidungen kritisch reflektiert, neue Entwicklungen initiieren, fördern und verändern kann.

ZEIT: Sie erstellen das Bildungsbarometer als Online-Umfrage. Warum?

Jäger: Dort hat jeder die Fragen direkt vor Augen und kann seine Antworten abwägen. Telefonbefragungen unterliegen häufig der Flüchtigkeit des Augenblicks. Zudem ist die Fehlerrate durch die direkte Eingabe der Daten auf null reduziert. Die Nachteile einer solchen Befragung liegen darin, dass der Eindruck entstehen könnte, man erreiche mit einer Online-Befragung nur einen Teil der Bevölkerung.

Wie auch bei der Wahlforschung besteht bei einer solchen Umfrage natürlich immer die Gefahr, dass Befragte das wiedergeben, was bereits als öffentliche Meinung gilt. Indem aber die Basis des Bildungsbarometers von Befragung zu Befragung erweitert wird, glauben wir, dieser Gefahr entgegenwirken zu können.