Wie Marion Gräfin Dönhoff sei auch Preisträgerin Gesine Schwan eine "Brückenbauerin", die für das Vertrauensverhältnis der Nachbarn Polen und Deutschland unglaublich viel getan habe, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Laudatio bei der Verleihung des Marion Dönhoff Preises am vergangenen Sonntag. Für sie sei Marion Dönhoff ein Vorbild, das Orientierung biete bis heute, erwiderte Schwan in ihrer Dankesrede. Nicht einen Augenblick habe die Gräfin bei den polnischen Nachbarn "das Missverständnis einer einseitig deutschen Parteilichkeit ausgelöst". Gesine Schwan zitierte den deutschen Generalgouverneur Hans Frank, dessen Schreckensherrschaft in Krakau alle Maße von Fremdherrschaft sprengte. "Kein Pole", verkündete Frank, "soll über den Rang eines Werkmeisters hinauskommen… Wir brauchen diese Elemente nicht erst in die Konzentrationslager des Reiches abzuschleppen… sondern wir liquidieren die Dinge im Lande." Die Asymmetrien zwischen Polen und Deutschland, die aus dieser Vergangenheit erwuchsen, würden uns noch Jahrzehnte begleiten, so Gesine Schwan. Auf dieser Basis warb sie um "Vertrauen" und einen "neuen Anfang".

Den "Förderpreis" erhielt das Maximilian-Kolbe-Werk, das Überlebenden von Konzentrationslagern und Ghettos hilft. Eines der Opfer, ein achtzigjähriger Pole, saß unter den Gästen. Mit Orden und Anerkennungen, so der frühere Botschafter Janusz Reiter in seiner Laudatio, sei das Kolbe-Werk nicht verwöhnt worden. Die Zurückhaltung gehöre zum Selbstverständnis.