Als Kai Diekmann zum Papst ging, um sich den Segen der Kirche zu holen, hat er die Rechnung ohne die Protestanten gemacht. Als der Chefredakteur der Bild-Zeitung tatsächlich bis zum Papst vordrang und im Blitzlichtgewitter der mitgebrachten Paparazzi die Armesündermiene aufsetzte, die den Papst zum Segen provozierte, da sind die Protestanten in einem Winkel ihres Gedächtnisses auf etwas fast Vergessenes, etwas Schmieriges, widrig Schimmerndes, etwas wie Salböl gestoßen. Als der Bild-Chef, der Vater aller Schnüffelfotografen, ein wahrer Papa Razzo, auch Abu Razzo genannt, seinen erfolgreich abgestaubten Segen in der Zeitung feierte, weil dieser päpstliche Segen mit dem Ablass der Sünden gleichbedeutend ist, da mussten die Protestanten (sie konnten nicht anders) an den schmierigen Tetzel und seinen Ablasshandel denken. Denn die Armesündermiene allein wird wohl kaum den Papst zum Segen ermutigt haben. Der Bild-Chef hatte vielmehr noch etwas anderes, man könnte sagen: eine kleine Spende mitgebracht. Es war die überaus preiswerte Bibel, die von Bild seit Wochen mit Gewinn unters Volk gebracht wird. Nüchtern gesehen, hat Diekmann also den Ablass für seine Verdienste um die innere Mission erlangt. Misstrauisch gesehen (mit protestantischem Misstrauen), hat Diekmann den Segen gekauft. Wenn der Taler im Beutel klingt / die Seele in den Himmel springt. So oder so ähnlich lautete Tetzels Werbekampagne. Das war der Ablasshandel, der den Zorn Luthers auf die Kirche herabzog und noch heute in den Kapillaren des protestantischen Herzens (wir haben das angedeutet) nachzittert. Juristisch gesprochen, handelte es sich bei dem, was Tetzels Drückerkolonnen betrieben, um ein bloßes Haustürgeschäft, ohne Rechtsgrundlage, wie auch die katholische Kirche Jahrhunderte später zugegeben hat. Heute neigt sie zu der Ansicht, dass der Ablass etwas ist, das besser nicht gegen bar abgewickelt wird. Aber so eine kleine Bibel, breit gestreut, wiegt natürlich einige Sünden auf. Die Frage ist nur, wie viele davon sich Bild jetzt wieder leisten kann, ohne dass ihr Sündenkonto abermals in ein fegefeuerrelevantes Minus gerät. Vielleicht hat der Papst, nur so zur Warnung, dem Chefredakteur mal Tetzels ziemlich happige Preisliste vorgelegt. Aber das wissen wir nicht. Über den intimeren Teil der Begegnung hat Bild, wie ein treuer Beichtvater, geschwiegen.

Finis