Drei Preisfragen für Wer wird Millionär?: Wie viele Fachgerichte gibt es? Was ist eine Sprungrevision? Wie viele Instanzen darf ein Bürger anrufen, bevor sein Fall endgültig beschieden wird? Der arme Befragte, wer wollte ihm dies verdenken, zuckt mit den Schultern und grübelt, welchen Joker er nur ziehen soll: den Publikums- oder den 50:50-Joker? Bloß nicht. Den Telefonjoker? Auch das ist waghalsig, denn die Wege des deutschen Rechtsstaats sind so verschlungen, dass selbst studierte Juristen sich nicht mehr zurechtfinden.

Alle Jubeljahre wieder, fast immer zur Weihnachtszeit, geben mal der Bund, mal - wie jetzt - die Länder ein großes Versprechen: eine grundstürzende Justizreform. Schlanker, schneller, moderner soll Justitia werden. Diesmal will man die Fachgerichte zusammenlegen, das Gerichtsvollzieher-Wesen privatisieren, die Handelsregister bei den Kammern führen, die Zahl der Rechtsmittel verringern.

Auch dieses Vorhaben wird das Schicksal seiner ungezählten Vorgänger ereilen: Es wird zerrieben und zerredet werden zwischen den vielen Standes- und Interessenvertretern. Ein Einwand ist allerdings berechtigt: der gegen den Vorschlag, dass amtsrichterliche Urteile mit Geldbußen bis zu 500 Euro künftig vor keiner höheren Instanz angefochten werden können. Peanuts? Das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden wird schwer leiden, wenn sich Bürger nicht mehr wehren können. Letzte Preisfrage: Was sollte stets über einem Amtsrichter thronen? a) der blaue Himmel? b) der Justizminister? c) der liebe Gott? d) eine weitere Instanz?