Diese beiden wollen es noch mal wissen. Sie, die ehemalige Bankchefin, die erst steil aufstieg und dann abrupt fiel. Er, der Chef des zweitgrößten deutschen Geldhauses, der lange als kluger Sanierer galt. Bis ihn die schlechten Zahlen wieder einholten.

Seit Montag dieser Woche ist klar: Die HypoVereinsbank hat eine neue Chefin fürs Filialgeschäft – und wenn es nach Vorstandssprecher Dieter Rampl geht, auch bald ein Problem weniger. Christine Licci soll die defizitäre Privatkundensparte in Ordnung bringen; Mitte Januar fängt sie im Münchner Vorstand an. Die Berufung der 40-Jährigen, bis Mai dieses Jahres Deutschland-Chefin der Citibank, gilt in der Konzernzentrale als Fingerzeig: "Sie ist von Rampl geholt worden, um richtig auszumisten", sagt ein hochrangiger HypoVereinsbanker.

Eifersüchteleien im Führungszirkel über die richtige Strategie und die richtigen Leute dafür hatten das Geldhaus zuletzt gelähmt, der Streit durchzog alle Bereiche. Und gerade Licci eilt der Ruf voraus, verunsicherte Mitarbeiter und zerstrittene Teams binnen kurzer Zeit wieder stark zu machen.

Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Denn Bankchef Rampl braucht seine neue Privatkundenchefin genauso dringend wie Licci diesen Job.

Man kann den Berufsweg der Bankerin auf zwei Arten beschreiben: Da sind die glanzvollen Erfolge, ihre spektakulären Sprünge auf der Karriereleiter, sie war früh die einzige Frau in einem deutschen Bankvorstand, überhaupt die erste Chefin einer Bank in Deutschland, "Managerin des Jahres" nannte sie die Wirtschaftswoche 2003. Man kann aber auch auf die Zahlen schauen und fragen, ob Christine Licci nicht einfach Glück gehabt hat. Das Interessante daran: Beide Beschreibungen erklären, warum die 40-Jährige bei der Citibank scheiterte.

Liccis Aufstieg beginnt mit einer Trotzreaktion. Mit 16, daheim in Kastelruth in Südtirol, spielt sie jeden Tag Klavier, fünf Stunden und mehr. Sie spielt so gut, dass sie einen Termin beim Stardirigenten Claudio Abbado in Mailand bekommt. Doch die Mutter lässt sie nicht hin. Wer einer Hoteliersfamilie entstammt, gehört eben an den Schreibtisch und nicht auf die Bühne. Darauf rührt Christine Licci kein Klavier mehr an, fast zwölf Jahre lang. "Ich weiß, dass ich gut gewesen wäre", sagt sie später. Und sucht sich eine andere Bühne: die Welt der Zahlen.

Sie studiert Betriebswirtschaft an der Mailänder Universität Luigi Bocconi, geht 1990 zur Dresdner Bank in Mailand, wechselt in die Frankfurter Zentrale und später zur Schweizer Bank UBS. Von 1996 an verantwortet sie bei der Citibank in Frankfurt den Handel mit Optionsscheinen, dann geht sie nach Hongkong. Im September 2001, wird Licci, gerade 37 alt, Chefin der Citibank Privatkunden AG in Düsseldorf.