Das Team um George W. Bush stabilisiert sich. Vor allem alte Freunde und Vertraute scharen sich um den US-Präsidenten, der vor drei Tagen den 72-jährigen Donald Rumsfeld als Verteidigungsminister bestätigte - für Experten der zweitwichtigste Entschluss nach der Ernennung von Condoleezza Rice zur Außenministerin.

In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Spekulationen um ein Ausscheiden des Ministers gegeben: Die anhaltende Gewalt und die Gefangenenmisshandlungen durch US-Soldaten im Irak wogen schwer. Doch George W. Bush steht hinter seinem ältesten Kabinettsmitglied, das bereits 1975 unter Gerald Ford als Verteidigungsminister diente; er hält ihn weiterhin für den "richtigen Mann in diesen Zeiten besonderer Herausforderungen" – so wird ein hochrangiger Regierungsbeamter zitiert.

Der Falke Rumsfeld war und ist einer der stärksten Befürworter für den weltweiten Krieg gegen den Terror. Auch in Sachen Irak war seine Meinung tonangebend. Er gilt als Hauptarchitekt des Irak-Krieges; eine zweite Amtszeit bedeutet für ihn, dass er sich mit den langfristigen und unübersehbaren Folgen auseinandersetzen muss. Sollte dort zukünftig irgend etwas schief gehen, so sei es leicht, den Verantwortlichen im Pentagon zu finden, sagen seine Kritiker. Vor dem 11. September 2001 hatte er sich mit Reformvorschlägen für eine mobilere Truppe bei den Militäroberen unbeliebt gemacht, doch seit dem Feldzug in Afghanistan und dem Kriegsgewinn im Irak stieg sein Ansehen erneut. Im Ausland auch wurde seine Arbeit nicht von allen Seiten geschätzt. Spätestens seit seiner Bemerkung über das "alte Europa" wird er östlich des Atlantiks kritisch beäugt. Auch die Konzepte "Achse des Bösen" und "Schurkenstaaten", die Rumsfeld gemeinsam mit Präsident Bush als neues Feindbild der Vereinigten Staaten ins Leben gerufen hatte, stießen auf wenig Gegenliebe bei den Europäern.

Mehr als nur einen leichten Schatten über seine Zeit als Verteidigungsminister wirft zudem der Skandal um das Gefängnis Abu Ghraib, wo man angesichts des Ausmaßes der Entgleisungen bereits mit Rumsfelds Rücktritt gerechnet hatte. Doch der Minister blieb im Amt. Gemeinsam mit Bush wird er den bisherigen Irak-Kurs und den weltweiten Kampf gegen den Terror fortführen. Der US-Präsident sagte am Samstag: "Minister Rumsfeld hat seine Führungskraft in schwierigen Zeiten unter Beweis gestellt. Wir kämpfen in einem besonderen Krieg, und es ist entscheidend, dass wir diesen Krieg gewinnen."

Als größte zukünftige Herausforderung für Verteidigungsminister Rumsfeld gilt weiterhin der Irak: Denn trotz der eskalierenden Gewalt sind für Januar 2005 demokratische Wahlen geplant. Einem Bericht des Senders BBC zufolge spielt Rumsfeld mit dem Gedanken, die Abstimmung nur in friedlichen Gebieten durchzuführen. In dieser Woche hatte das Pentagon zudem angekündigt, die Truppen im Irak auf 150.000 zu erhöhen – mehr als zu Beginn des Krieges überhaupt ins Land einmarschiert waren.

Trotz dieser Probleme ist unklar, wie lange Rumsfeld im Amt bleiben wird. Aus Pentagonkreisen heißt es, dass er bis mindestens Ende 2005 sein Amt ausüben werde, um die Arbeit am alle vier Jahre fälligen Bericht über den Stand des US-Militärs für den Kongress zu beaufsichtigen.