Tatsächlich sind die Deutsch Sprechenden die einzigen, die ihr Mobiltelefon als "Handy" bezeichnen. Im englischen Sprachraum sagt man mobile phone oder cellphone . Überhaupt scheint fast jedes Land seinen eigenen Spezialbegriff zu haben: vom italienischen telefonino über das finnische kännykkä bis zum schwedischen ficktelefon, auch yuppie nalle genannt .

Dass die Deutschen sich eines englisch klingenden Fantasiewortes bedienen, wird von Kulturpessimisten gern als "Anglomanie ins Absurde getrieben" bezeichnet, so eine Überschrift in der Rheinischen Post. Der Begriff verdanke "sich in Wirklichkeit allein der eilfertigen Unterstellung, der Sprache Luthers und Goethes fehlten im Zeitalter der globalen Kommunikation schlicht die Worte, und man müsse ihr den kehligen Provinzialismus austreiben", schrieb das Blatt 1999.

Nun kann man grübeln, wie Luther sein Mobiltelefon genannt hätte – dass der Begriff eine rein deutsche Schöpfung sei, kann man aber so nicht stehen lassen. Im Internet hat der Amateurfunker Walter Koch sich akribisch mit der Geschichte des mobilen Funkverkehrs beschäftigt und dabei auch Interessantes zur Etymologie des Handys herausgefunden. Die Wurzeln des Begriffs gehen zurück in eine Zeit, als es noch keine Mobiltelefone gab: In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte die Firma Motorola für das Militär kleine tragbare Funkgeräte. Im Gegensatz zu den "Walkie-Talkies", die meistens rucksackgroß waren, konnte man dieses Gerät wie einen Telefonhörer in der Hand halten. Genannt wurde es "Handie-Talkie", und manche amerikanischen Soldaten sollen es auch kurz als handy bezeichnet haben.

Im deutschen Sprachraum taucht das Handy dann nach Kochs Recherchen erstmals in einer Anzeige von 1986 auf, damals noch für ein kleines Amateurfunkgerät. Später wurden auch schnurlose Festnetztelefone als "Home Handy" bezeichnet, bevor sich der Begriff dann von 1990 an für die Mobiltelefone durchsetzte. Ein Versuch der Gesellschaft für deutsche Sprache, ein alternatives Wort zu finden, scheiterte 1996 kläglich mit Begriffen wie "Anrufli", "Foni", "Ohrly" oder "Nervi". Der Siegeszug des Handys war nicht mehr aufzuhalten. Christoph Drösser

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