Die Fenster der St. Nicolai-Kirche von Kalkar werden neuerdings mit Symbolen aus der Teilchenphysik verziert. Die scheinbar anarchischen Muster auf den 12 Meter hohen Bleiglas-Fenstern sind in jedem besseren Lehrbuch der Physik zu bewundern. Erfunden wurden sie von dem Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman, der mit den verschnörkelten Diagrammen die Wechselwirkung zwischen Elementarteilchen (wie Elektronen oder Quarks) veranschaulichte.

Dass Gott und Teilchenphysik gerade in Kalkar zusammenfinden, hat allerdings nichts mit der nahe gelegenen Ruine des Schnellen Brüters zu tun.

Verantwortlich ist der mit der Fenster-Erneuerung beauftragte Künstler Karl-Martin Hartmann, der während seines Biologie-Studiums auf die Feynman-Graphen stieß. Das ist visualisierte Mathematik, die sogar ich verstehen kann, schwärmt Hartmann. Im Fenster über dem Hochaltar hat er auch ein Drei-Jet-Event abgebildet, das die Kollision von Atomkernen in einem Teilchenbeschleuniger zeigt. Der Pfarrer betonte zur Einweihung die Vereinbarkeit von Glauben und Naturwissenschaft. Manche Kirchenbesucher nahmen es wörtlich und assoziierten mit dem Drei-Jet-Event die Dreifaltigkeit (www.stnicolai.de).