Möcht' man schon genauer wissen, was damals in Europa los war, als die Afrikaner anrückten und die indigene Bevölkerung beiseite drängten. Vor etwa 45 000 Jahren tauchte Homo sapiens auf, und nach rund 15 000 weiteren Jahren war vom Ureinwohner, dem schon früher aus Afrika angereisten Neandertaler, niemand mehr übrig. Dazu hatte es offenbar nicht einmal eines Ausrottungsfeldzuges bedurft. Sapiens war einfach schlauer.

So weit die herrschende Theorie. Die Autoren einer am Dienstag erschienenen Studie aus der Schweiz nun gingen der Frage nach, ob Vertreter beider Hominidengruppen miteinander Kinder gezeugt hätten. Zwar sei man einander hin und wieder in derselben ökologischen Nische begegnet und habe bei dieser Gelegenheit wohl nicht nur Informationen ausgetauscht (dies ist einigermaßen belegt) - aber die eidgenössischen Zoologen schließen aufgrund von Computersimulationen gemeinsame Nachkommen aus. Verhütung gab's nicht, vielleicht waren es also zwei reproduktiv unverträgliche Arten.

Das ist alles rein sachlich hoch interessant, aber während der Lektüre solcher Texte schweigt die Fantasie nicht stille. Wie ist das wohl gewesen, als die Besserwisser einfielen, die noch dazu cooler aussahen, technisch überlegen waren und erst recht kulturell mehr draufhatten? Die es möglicherweise auch mal mit Neandertalerinnen trieben, woraus aber mangels Nachwuchs keine Familien entstanden? Unheimliche Parallelgesellschaften müssen das gewesen sein.