Peking

China ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Herausforderung. Dafür hat die deutsche Politik allerdings wenig Gespür.

Deutsche Wirtschaftsbosse sind ständig in China, Berliner Politiker eher selten - mit Ausnahme des Bundeskanzlers, der jetzt zum sechsten Mal innerhalb von sechs Jahren Amtszeit Peking besucht. Doch ist auch Gerhard Schröder mehr Bewunderer des chinesischen Wirtschaftsbooms als vorausschauender Außenpolitiker. Damit ist er unter den westlichen Regierungschefs nicht allein - die sich überdies nicht darüber einig sind, wie China zu behandeln ist. Japan sieht heute in China, trotz bester Handelsbeziehungen, einen Konkurrenten und setzt zunehmend auf Konfrontation.

Für die USA ist China Wirtschaftspartner und militärischer Rivale zugleich, daraus folgt eine Politik des Hinhaltens. Berlin und Paris setzen dagegen ganz auf den Wirtschaftspartner China und eine Politik der Umarmung.

Während sich die USA außenpolitisch auf den Krieg gegen den Terrorismus konzentrieren und Europa mit dem eigenen Einigungsprozess beschäftigt ist, wächst die chinesische Wirtschaft enorm. Schon ist die Volksrepublik die drittgrößte Handelsnation und der zweitgrößte Energieverbraucher der Welt.

Schon im kommenden Jahrzehnt könnte China Japan als zweitgrößte Wirtschaftsmacht ablösen. Wobei das Land Vorreiter einer globalen Machtverschiebung von Nordamerika und Westeuropa nach Asien ist. Mit Indien hat sich auch der zweite Gigant des östlichen Kontinents in Bewegung gesetzt.

Die politischen Spuren dieser Entwicklung aber werden erst allmählich sichtbar - auch weil Peking sie systematisch verwischt. China meidet Beratungen mit der G7-Gruppe und bindet seine Währung an einen schwachen Dollar. Die Führung in Peking argumentiert, die Volksrepublik sei noch immer ein Entwicklungsland. Was so weit führt, dass China für Projekte, mit denen seine Forscher den Westen überholen wollen, westliche Entwicklungshilfe bezieht.