Anfang des Jahres waren die deutschen Fondsgesellschaften noch bester Dinge. Nach langem Hin und Her hatte der Gesetzgeber ihnen schließlich erlaubt, auch in Deutschland Hedge Fonds zu vertreiben. Die neuen Produkte, die selbst in schlechten Börsenzeiten hohe Renditen versprechen, sollten die Fondsgesellschaften aus der Krise reißen. Ihre Privatkunden wollten die Anbieter mit Dach-Hedge-Fonds beglücken, um so ihr Kapital in mehrere Einzelfonds zu investieren und das Risiko zu mindern.

Die Prognosen waren entsprechend kühn. Bis zum Jahresende wollte Axel-Günter Benkner, Chef der Deutsche-Bank-Tochter DWS, allein von Privatanlegern eine Milliarde Euro für einen Hedge Fonds einsammeln. Stefan Seip, Geschäftsführer des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) taxierte das Potenzial der Hedge Fonds 2004 gar auf einen deutlich zweistelligen Milliardenbetrag.

Den Fondsgesellschaften erschienen Hedge Fonds als Retter in der Not. Mit diesen kann man auch in fallenden Märkten Geld verdienen oder zumindest Depots gegen Verluste absichern. Dies ist die ursprüngliche Idee des Hedging, eines Absicherungsgeschäfts. Die Fondsmanager genießen eine große Freiheit.

Anders als bei herkömmlichen Investmentfonds dürfen sie auf vielen verschiedenen Märkten aktiv sein. Zudem sind ihnen so genannte Leerverkäufe erlaubt. Dabei verkauft ein Fonds geliehene Aktien. Fällt der Kurs, kauft er sie zu einem günstigeren Preis zurück, reicht sie an den Verleiher weiter und streicht den Gewinn ein. Häufig finanzieren Hedge Fonds solche Spekulationsgeschäfte zudem mit geliehenem Geld und steigern so die Rendite - scheinbar perfekte Produkte also im Kampf gegen Anlegerverdruss. Denn die hohen Verluste von Aktienfonds haben viele Kleinanleger verschreckt und dazu bewogen, ihr Geld lieber wieder auf Sparkonten zu parken.

Heute, acht Monate nach dem Start des ersten Dach-Hedge-Fonds in Deutschland, ist die Branche ernüchtert. Bisher hat die Aufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), erst sieben Dachfonds zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Die Anleger wiederum zeigten sich reserviert und warfen die hoch gesteckten Ziele der Anbieter über den Haufen. Bis Ende Oktober hatten die neuen Fonds laut BVI gerade einmal 862 Millionen Euro eingesammelt.

Viele Anbieter überlegen es sich jetzt zweimal, ob sie einen eigenen Fonds auflegen und sich mit dem ramponierten Image der neuen Produkte belasten.

Die warten erst einmal ab, bis der Markt erwachsen geworden ist, sagt Werner Goricki vom Beratungsunternehmen Feri Trust.