Frauen erreichen laut Bericht des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung im Durchschnitt nur 76 Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommens der Männer. Außerdem sind sie nach Angaben der Gewerkschaft für Nahrung und Genussmittel (NGG) von Niedriglöhnen betroffen. Die Arbeitslosenquote steigt stetig, genauso wie die Zahl derer, die nur noch einen Euro pro Stunde für ihren Job erhalten. In dieser Zeit bringt die Commerzbank ihre neue Studie "Die Psychologie des Geldes" heraus.

Ein Marktforschungsinstitut hat im Auftrag des Bankhauses Untersuchungen über das Finanzverhalten von Frauen unternommen. Dazu wurden 520 Frauen und 480 Männer befragt. Ergebnis: Rund drei Viertel der Frauen beschäftigen sich nicht gern mit ihren privaten Finanzen und verdrängen sie regelrecht. Außerdem haben die Marktforschungsexperten die Frauen in verschiedene Gruppen eingeteilt: So habe die Selbstbewusste eine "geldaktive" Einstellung und kann, wenn es um Aktien und Anlagefonds gehe, mit ihren männlichen Kollegen mithalten. Die Traditionelle sei unsicher und überfordert wenn es ums Geld geht, während die Konventionelle die Verwaltung des Baren lieber dem Ehemann überlasse. Die erlebnisorientierte Frau hingegen gibt ihre Scheine mit vollen Händen aus, ohne sich Gedanken über die Zukunft zu machen.

Warum nun die finanzkundige Frau immer noch weniger verdient als ihr Managerkollege, das beantworten die Commerzbank-Spezialisten nicht. Sie sagen der interessierten Kundin auch nicht, warum sie ihr Geld langfristig anlegen soll, wenn morgen schon der Job weg sein kann. Eine wenig zeitgemäße PR-Maßnahme soll die Studie jedoch trotzdem nicht sein. "Wir wollen damit zeigen, dass ein wenig mehr Finanzkompetenz Frauen helfen kann, auch mit geringen Geldern Vorsorge zu betreiben oder Vermögen aufzubauen", so Monika Arens aus der Managementabteilung der Commerzbank und verantwortlich für "Die Psychologie des Geldes". Kompetenz in Sachen Zinsen und Co. soll die Kundinnen zur Commerzbank treiben. "Wir wollen unser Beratungsangebot für die Frauen verbessern und auch Seminare über Finanzthemen nur für Frauen anbieten", sagt Arens.

"Das ist Schubladendenken, so einfach lässt sich die weibliche Unlust, sich näher mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen, nicht in ein Schema zwängen", sagt Astrid Hastreiter, Vorstandsvorsitzende der Frauenfinanzvermögensverwaltung AG in München. Mit Bildung und Seminaren allein sei das Problem nicht zu lösen. "Geld ist für Frauen negativ besetzt", so Hastreiter. Es fehlten die Vorbilder. "Das fängt schon bei den TV-Soaps an. Dort werden die reichen, einflussreichen Frauen als zickige Furien dargestellt." Außerdem werde es weiblichen Chefs immer noch übel genommen, wenn sie ihren Reichtum herzeigen. Hastreiter: "Kein Wunder, wenn da nicht über Geld geredet wird." Auch beim alltäglichen Besuch im Bankhaus mit dem Ehemann würden Frauen meist negative Erfahrungen machen. "Wenn es um Kredite geht oder auch nur um eine Auskunft, wird meist automatisch der Ehemann angesprochen." Diese Erfahrung machen Frauen schon in jungen Jahren. "Da muss schon bei der Erziehung Mut gemacht werden, bewusster mit dem eigenen Geld umzugehen", so die Münchnerin. Frauen und Finanzen, das sei kein Problemfeld der Banken, sondern eher ein gesellschaftliches Thema. "Geld hat viel mit Wert zu tun, worüber sich leider sehr viele Menschen in Deutschland definieren. Frauen am Arbeitsplatz sollten sich daher immer fragen, wie viel sie für ihre Arbeit verlangen können, damit sie beim Gehalt nicht ins Hintertreffen geraten", so die Finanzexpertin.

Ob nun Frauen bei der Commerzbank genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, dazu gab das Frankfurter Bankhaus keine Auskünfte. "Wir haben aber eine Gleichstellungsbeauftragte, und es gibt viele interne Seminare für unsere weiblichen Angestellten", so Monika Arens.
( Michelle Kossel, ZEIT.de )