Von Michelle Kossel für ZEIT.de

Wer glaubt, nur Nachbarschaftsstreitigkeiten beschäftigen die Zivilgerichte, der irrt. Die beiden weltweit größten Hersteller von Nassrasierern, Gillette und Wilkinson, liefern sich zurzeit ein schneidiges Justiz-Duell.

Es geht um die Klingen, gewissermaßen das Herzstück eines jeden Nassrasierers: Wilkinson hatte den "Quattro", ein Gerät mit vier hintereinander angeordneten Klingen, auf den Markt gebracht. Sehr zum Ärger von Konkurrent Gillette, denn der Anti-Bartstoppel-Markt ist heiß umkämpft. Viel Geld stand auf dem Spiel: Jährlich werden weltweit Rasierer und Klingen für etwa sechs Milliarden Dollar verkauft. Und in Sachen Bartbekämpfung mit Nassrasierern hat Wilkinson die Nase - oder besser die Klinge - vorn.

Das konnte Gillette nicht auf sich sitzen lassen. Der Klingen-Gigant mit Hauptsitz in Boston zog vor Gericht. Vor der Patentkammer des Düsseldorfer Landgerichts behauptete die Firma, mit Wilkinsons "Quattro" werde das Drei-Klingen-Patent ihres "Mach3"-Rasierers abgekupfert. Der Richter zählte nach und kam zu dem rechnerisch richtigen Ergebnis, vier Klingen seien nicht gleich drei Klingen. Folge: Die Klage mit einem Streitwert von 20 Millionen Euro wurde abgeschmettert. Glück für Wilkinson, denn hätte der Richter sich verzählt, wäre die Folge desaströs gewesen: Quattro hätte aus allen Drogerieregalen entfernt werden müssen. Außerdem wäre der Nassrasiererhersteller zu einem satten Strafgeld verdonnert worden.

Von Anfang an hatte Gillette die Markteinführung des "Quattro" zu verhindern versucht. Die Gerichte in den USA und in Deutschland mussten sich mit etlichen einstweiligen Verfügungen auseinandersetzen. Außerdem setzte Gillette bei seinen Produkten nicht auf die Klingenanzahl, sondern auf Strom: Das batteriebetriebene Gerät M3-Power. Es sei besonders gründlich, weil es die Barthaare bei der Rasur durch so genannte "Micro-Impulse" aufrichte. Dagegen zog Wilkinson vor dem Hamburger Landgericht zu Felde. Folge: Das Gericht untersagte Gillette vorerst, mit den "Micro-Impulsen" zu werben.

Ob "Micro-Impulse", drei oder vier Klingen, viel einleuchtender in Sachen Barthaarbekämpfung erscheint da doch die Aussage von Wilkinson-Prozessvertreter Christian Osterrieth, die er während der Verhandlung vor dem Patentgericht verkündete: "Für eine brauchbare Rasur kann ich mich auch mit dem letzten Knüppel rasieren."
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