"Kiitos" heißt auf Finnisch "danke", und das sollten deutsche Schulkinder und Bildungspolitiker sagen, wenn Finnland, erneuter Sieger der Pisa-Studie, ein wenig indirekte Nachhilfe für das deutsche Schulsystem bereit stellt. Rechtzeitig zur Präsentation der offiziellen Ergebnisse der PISA-Studie bieten die Botschaften von Finnland in Berlin, Wien und Bern ihr gemeinsames Projekt www.finnland-kids.de an und zeigen damit politisch korrekt und in Flash programmiert, was ihr Land in Sachen Ausbildung alles richtig macht. Der Belehrungsversuch ist konzeptionell geschickt angelegt: "Wenn man ein neues Land und neue Menschen kennen lernt, dann merkt man besser, was am eigenen Land gut ist und was man verbessern kann", so klingt der Versuch, deutsche Schüler zur Revolution ihres eigenen Systems zu bewegen.Selbstredend, dass hier eine objektive Vorstellung der finnischen Kultur und Bildungspolitik im Vordergrund steht. Ein direkter Vergleich zwischen Finnland und Deutschland findet auf der Webseite nicht statt, doch die Bemühungen um den neidischen deutschen Blick sind nicht zu übersehen. Drei unterschiedliche Touren – "Schule und Arbeit", "Die Rolle der Natur" und "Finnland in der Welt" – lehren eine Menge über das skandinavische Land und fordern Selbstzweifel von all jenen, die eine steile PISA-Karriere noch vor sich haben.Mumin, der dickbäuchige, graue Avatar, erklärt uns gerne: Finnland ist toll. Das finnische Schulsystem noch toller, und in welchem Einklang die Finnen mit ihrer atemberaubenden Natur leben – wunderbar. Fremdsprachen lernen die Kinder ab der dritten Klasse, Computer sind das täglich Brot der Grundschüler, und Gleichberechtigung, das beweist die finnische Staatspräsidentin, ist für finnische Bürger selbstverständlich.Auch in Sachen Technik sind die Finnen ganz vorn, na ja, oder zumindest gut dabei: Ein finnischer Ingenieur soll die SMS erfunden haben. Weil er während langweiliger Sitzungen nicht mit seinem Handy telefonieren konnte, überlegte er sich das System der 160 Zeichen umfassenden Mitteilungen. Moment, langweilige Sitzungen? Im Land des Abwechslungsreichtums und der Innovationen? Da müsste mal der Mumin ran ...Doch bei allem Neid, den man 17 Plätze unter Finnland haben muss: Die Webseite ist gut gemacht. Bunt, lebendig und kinderfreundlich gestaltet, präsentiert sie ein Land, über das man in Deutschland wenig weiß, außer eben, dass es zum zweiten Mal in Folge Sieger der PISA-Studie geworden ist. Will man allerdings bei der Finnischen Botschaftsrätin Cita Högnabba nachfragen, warum sich die Finnen gerade Deutschland als Publikum für ihre Landespräsentation ausgesucht haben, meldet sich nur der Anrufbeantworter. Am 6. Dezember 2004 ist der finnische Unabhängigkeitstag – da haben die Botschaften geschlossen. Auskünfte gibt’s beim Mumin unter "frage mumin" . ZUR SEITE DER OECD