Die Föderalismuskommission diskutiert, die politische Zuständigkeit für die Schulen ganz den Ländern zu übertragen. Was halten Sie davon?

Das wird die Länder zusätzlich zu den bestehenden Problemen im Bildungswesen vor neue Herausforderungen stellen. Zwar hat sich die Kultusministerkonferenz positiv verändert: Sie erlässt weniger Detailvorschriften und kümmert sich stärker um die Qualitätssicherung der Bildung. Es ist aber fraglich, ob die Länder es schaffen, große Programme zur Verbesserung der Bildung allein anzuschieben, für die bislang der Bund mit zuständig war.

Zum Beispiel?

Das erfolgreiche Sinus-Programm der Bund-Länder-Kommission zur Verbesserung des Unterrichts in Mathematik und den Naturwissenschaften. Angesichts der Pisa-Ergebnisse sind solche Programme weiterhin erforderlich. Sie kosten Geld, doch alle Länder sind knapp bei Kasse.

Wo wird der Bund noch gebraucht?

Ein vernünftiger nationaler Bildungsbericht, der sich mit dem Bildungswesen vom Kindergarten bis zur lebenslangen Weiterbildung befasst, braucht den Bund. Zudem müssen Bund und Länder an den Nahtstellen unserer Bildungseinrichtungen kooperieren. Das betrifft etwa den Übergang zwischen Kindergarten und Schule. Noch immer ist der Kindergarten keine Bildungsinstitution. Soll das geändert werden, brauchen wir den Bund. Das Gleiche gilt für den Übergang zwischen Schule und beruflicher Bildung.

Jugendliche ohne Ausbildungsplatz drehen oft Ehrenrunden, etwa im Berufgrundbildungsjahr. Solche Angebote sind teuer und von zweifelhafter Qualität. Sinnvoller wäre es, wenn Hauptschulen und Betriebe besser zur Berufsvorbereitung von Risikoschülern zusammenarbeiten. Das geht bislang nicht, weil die Länder die Verantwortung für die Schulen haben, der Bund für berufliche Fördermaßnahmen. Das ist ein Ärgernis.