Einen deutschen Mythos pflegte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement vergangenen Samstag auf dem Berliner SPD-Landesparteitag. Deutschland müsse beim Bildungsniveau wieder einen Spitzenplatz in der Welt einnehmen, forderte er. Es kann nicht sein, dass wir uns Jahr für Jahr von Pisa bestätigen lassen, dass wir bei der Bildung im Mittelfeld stehen, kritisierte er. Wir müssen wieder auf einem der ersten drei Plätze auf der Welt sein. Wieder?

Seitdem es internationale Leistungsvergleiche gibt, landete Deutschland bestenfalls im Mittelfeld. 1970/71 etwa, bei der First International Science Study, lagen die Grundschüler unter dem Durchschnitt, die Gymnasiasten belegten den vorletzten Platz, nur die Achtklässler lagen über dem Durchschnitt. Anfang der neunziger Jahre wurde weltweit die Lesefähigkeit verglichen: Deutschland landete im Mittelfeld. Mitte der Neunziger die Mathe- und Naturwissenschaftskenntnisse der Schüler: Mittelfeld (Timss-Schock).

Wenn Deutschland Spitze war und bleibt - dann in der Disziplin Selbstüberschätzung.