Der Amerikaner John Jesurun, 1951 in Michigan geboren, ist ein Multimediakünstler, der mit jeder Produktion seinem Universum eine Monade hinzufügt - Autor, Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion. Die Berliner Festspiele haben diesem Solitär eine Personale gewidmet, eine Werkschau innerhalb des Langzeitfestivals Spielzeit Europa. Jesurun konzentriert sich auf die emotionalen Verstrickungen des Familienlebens. In Shatterhand Massacree von 1987 kehrt ein verstoßener Sohn in sein Elternhaus zurück. Der Junge ist als Wolfskind groß geworden. Der Vater legt dem Sohn einen Strick um den Hals und lässt ihn Runden um den Tisch drehen. Die Mutter sieht stumm zu. Große formale Strenge lässt die Verrohung dieser Familie spüren. Jesurun liebt die Bewegung, das Spiel mit fließenden Formen. In der 58. Episode seiner seit 1982 betriebenen Theater-Soap Chang in a Void Moon sind es die Wellen von Wasser und Licht, denen seine besondere Aufmerksamkeit gilt. Erst auf der Reise nach Berlin hat Jesurun diese Episode geschrieben, zu der er vor der Vorstellung eine Einführung gegeben hat. Stückeschreiben muss also keine Schwerarbeit sein. Auch in dieser Hinsicht hat Jesurun in Gießen als Mentor auf René Pollesch gewirkt. Chang in a Void Moon hat den rauen Charme einer Familiensaga. Den Einspielungen auf der Videoleinwand kommt dieselbe Bedeutung wie den Dialogen, die bisweilen mitten im Satz abreißen. Zu den Geschichten und Mythen der weltumspannenden Patchwork-Family mit dem Oberhaupt Chang lässt Jesurun die Videokamera über einen in voller Blüte stehenden Baum gleiten. Gegen Show und Serial setzt Jesurun Bilder blühenden Lebens. Im Rahmen der Personale ist am 10. und 11. Dezember noch Philoktetes zu sehen, und im Februar 2005 wird Red House im Prater der Volksbühne uraufgeführt.