So sieht also heute ein Egoist aus. Er fährt Traktor, trägt eine blaue Joppe und einen braunen Cord-Hut. Er wartet aus niedrigen Beweggründen bis zum letzten Moment ab. Und streicht dann über zwei Millionen Euro ein. Für 38 Hektar Hamburger Land, das zufällig dort liegt, wo Airbus seine Startbahn verlängern will. Die Sache ließe sich auch anders beschreiben: So ist es nun einmal mit der Marktwirtschaft. Es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Und Cord Quast hat sich als geschickter Verkäufer erwiesen. Hat die Nerven behalten und genial verhandelt.

Aber die Dinge sind komplizierter. Eigentum verpflichtet, sagt das Grundgesetz, und Grundeigner Quast fühlte sich vor allem seinem Heimatort verpflichtet. So ertrotzte er zusätzlich zum Geld eine Reihe von Zugeständnissen. Airbus verpflichtet sich, den Lärm in Grenzen zu halten. Die Stadt Hamburg überschreibt den Neuenfeldern ein Sperrgrundstück, damit die Startbahn nicht abermals verlängert wird. Aufgekaufte Häuser werden vermietet, die Alte Süderelbe wieder ausgebaggert - alles zum Schutz des Alten Lands.

Ein hochnäsiger Senat und ein starrköpfiger Kirchenvorstand hatten sich untrennbar ineinander verbissen. Der Industriestandort Deutschland war wegen des Gallierdorfs zum Gespött geraten. Obstbauer Quast, der selber auf eingetauschten Flächen weiter wirtschaften will, fand die Lösung. Ihm ist ein Vertrag zu verdanken, der Airbus ausbauen und Neuenfelde weiterleben lässt.

Egoistisch? Sicher auch. Aber mit mehr Weitsicht und Verantwortungsgefühl als die Konzernchefs, die Politiker und Kirchenoberen zusammen.