Haben Sie je von der Blauwarte gehört, die jüngst mit Tamtam zur Pflanze Europas 2005 gekürt wurde? Nein? Kein Beinbruch. Das Gewächs steht in keinem Lexikon. Sogar die Deutsche Botanische Gesellschaft kennt das Heilpflänzchen nicht. Seltsam.

Europäische Würden verliehen bekam die Blauwarte von Richard Pott, Professor an der Universität Hannover. Deren Pressestelle bejubelte artig die Idee und gab sie als seriöse Meldung weiter an Presseagenturen. Die tragischerweise vergessene Blauwarte passe gut in unsere Zeit, sie wirke gegen Nervosität und innere Unruhe. Der pure Zufall will es, dass Pott Vorstand der Pandalis Stiftung und Freund eines gleichnamigen Griechen ist, der über seine Firma Pandalis Naturprodukte Blauwarte-Extrakte verkauft.

Tatsächlich ist Blauwarte bloß ein geschütztes Warenzeichen, Botaniker kennen das Kraut als Waldwegwarte. Pott hat den guten Ruf seiner Uni für Schleichwerbung missbraucht, ohne seine Verflechtungen offen zu legen. Macht das Schule, lesen wir nächste Woche von der Mercedes-Stiftung (inkognito): Uni Stuttgart ruft die neue A-Klasse zum Auto des Jahres aus.