Das Kostüm spannt etwas um den Bauch herum. Der Rücken spielt auch nicht mehr so mit wie früher, ausgerechnet während des Zweikampfes mit einem überdimensionalen Killerroboter. Tatsächlich spricht Die Unglaublichen, der neue Animationsfilm aus dem Hause Pixar (Toy Story, Findet Nemo) Generationen von Marvel-Comic-Fans aus dem Herzen. Aufgewachsen sind sie mit der Gewissheit, dass Clark Kent und Peter Parker, besser bekannt als Superman und Spiderman, auch nur Menschen sind - nur anders eben. Wenn Bob Parr, ehemals Mr. Incredible, sich in Die Unglaublichen allmorgendlich in sein Schachtelbüro zwängt, wirkt er wie ein Goldfisch in einem viel zu kleinen Wasserglas. Parr und seine Kollegen waren einst von der Bevölkerung umjubelte Stars. Doch dann zwang eine Welle von Schadensersatzforderungen die Regierung, ein Superheldenschutzprogramm ins Leben zu rufen - und die entthronten Helden in die bürgerliche Anonymität zu entlassen. Doch während Helen Parr sich längst ihrem Hausfrauen- und Mutterschicksal ergeben hat, träumt Bob weiter von der Rückkehr als Mr. Incredible. Nonkonformismus, die schönste Tugend im Universum der Pixar-Studios, wird in Die Unglaublichen überdeutlich formuliert. Sie erfinden immer neue Wege, Mittelmäßigkeit zu glorifizieren, grummelt Bob und blickt auf seine symmetrisch abgezirkelte Vorstadtsiedlung. Peter Parker, der von Teenie-Problemen geplagte Held der Spiderman-Comics, hatte ja keine Ahnung: Schlimmer noch als die Superhelden-Adoleszenz ist dessen Midlife-Crisis. Also baut dieser digitale Animationsfilm wahrhaft atemberaubende Brücken zwischen der Welt des saturierten Mittelklasse-Haushalts und dem abenteuerlichen Superagententum.

Welterrettung als Familienunternehmen. Nur ist die amerikanische Vorstadt ein ausgesprochen realistisches Milieu, in dem die verspielte Fantastik früherer Pixar-Filme schlichtweg keinen Platz findet. Wo liegt der Reiz von Animationsfilmen, die nach größtmöglichem Naturalismus streben? Besonders deutlich wird dieses Nachahmungsproblem in Die Unglaublichen während des spektakulären Showdowns. Offenbar wollte man dem sich ständig selbst übertrumpfenden Action-Kino eines Jerry Bruckheimer Konkurrenz machen.

Vielleicht hätte sich dieser Film besser an die Worte seines Superbösewichts namens Syndrome halten sollen: Wenn alle >super< sind, ist es am Ende niemand!