Snoop Dogg dürfte der bemerkenswerteste Popstar der Gegenwart sein. Oder gibt es einen anderen Künstler, der gleichzeitig Sendungen im Nachmittagsprogramm eines Musikfernsehsenders bestreitet, den Gastgeber für ausufernde Orgien in Pornofilmen gibt und regelmäßig Nebenrollen in Hollywood-Blockbustern spielt?

My daughter loves you, she's only two, lässt er auf seinem neuen Album R&G Rhythm & Gangsta: The Masterpiece (Geffen/Universal) denn auch die gleiche Stimme sagen, die gerade noch ihrer Begeisterung für seine nicht jugendfreien Filme Ausdruck verliehen hat. Snoops Fähigkeit, all diese Rollen glaubwürdig verkörpern zu können, ohne je einen anderen zu spielen als sich selbst, ist dabei fast noch erstaunlicher als sein reich diversifiziertes, in sämtliche Schichten und Altersklassen ausstrahlendes Geschäftsmodell. Als cultural icon hat ihn die New York Times bezeichnet. Man könnte auch sagen: Snoop Doggy Dogg ist der einzige Entertainer, der wirklich für die ganze Familie da ist.

Das war nicht immer so. Der Erfolg seines Debüts Doggystyle 1993 beruhte auf einer Anklage wegen Totschlags, von der er zwar freigesprochen wurde, die ihn aber allzu eindeutig auf das Rollenfach Gangsta Rap festzulegen schien.

Sein sanfter Rap-Stil setzte allerdings schon damals einen Kontrapunkt zu den testosterongetriebenen Wortkaskaden seiner Kollegen. Und dieser eigentümliche Singsang dürfte es auch gewesen sein, der seine Karriere rettete, als er sich nach dem großen HipHop-Krieg zwischen Ost- und Westküste, den sein Label Death Row angezettelt hatte, in den späten Neunzigern als Karikatur des Pimp neu erfand - jener afroamerikanischen Variante des pelzbemäntelten und juwelenbehängten Zuhälters.

Als solcher präsentiert er sich auch auf Rhythm & Gangsta. Im Booklet sieht man ihn hinter einem Bügelbrett, wie er Geldscheine plättet - eine Pose, die sich in ihrer grundalbernen Ernsthaftigkeit kein anderer Rapper erlauben würde. Tatsächlich ist dieses Spiel mit den Zeichen der afroamerikanischen Unterwelt so übertrieben, dass es Snoop gelingt, gleichzeitig putzig und gefährlich zu erscheinen. Ein seltenes Kunststück, das durch die neue Produktion noch unterstrichen wird. Die Hitsingle Drop It Like It's Hot etwa besteht aus wenig mehr als einer mächtigen Bassdrum, einem Zungenschnalzen, einer Stimme, die immer wieder Snooooop piepst - und natürlich Snoop selbst, der sich ausführlich durch sein einziges Thema rappt: Wie wunderbar es ist, Snoop Dogg zu sein.