Es ist zehn Jahre her, seit ich ihn gesehen habe, sagte der Mann vor dem Konzert und freute sich, endlich Kevin Coyne zu hören. Man hatte ihn versäumt, weil man zufällig arbeiten musste, weil versehentlich keine Plakate geklebt waren, weil er immer wieder vorbeikam. Ein Verrückter, der es nicht lassen konnte aufzutreten, solo, zu zweit, mit Band, der allein zwölf Alben veröffentlichte, seit er in Deutschland lebte, nüchtern in Nürnberg, seit 1985. Kevin Coyne aus Derby (geb. 1944), der unbekannte Berühmte, wie ein Film über ihn hieß, malte, bevor er Sänger wurde, arbeitete in der Psychiatrie und mit Drogenabhängigen, bevor er als Rockrebell in den Siebzigern die Bedenkenträger des Zeitgeistes irritierte. DJ John Peel hatte ihn entdeckt und gedrängt, der Ignoranz der stromlinienförmigen Medien zu widerstehen und seine bitteren Lieder über Sehnsüchtige, Verzweifelte und Gebrochene - ein potenzielles Massenpublikum - zu singen. Ob es die Millionaires And Teddybears waren oder der Pretty Park, mit Mauern umzäunt, seine Songs enthielten genügend Wirklichkeit, um gesunde Wut zu entwickeln, und genügend Poesie, um über den Wahnsinn zu lächeln. Er spielte mit der Creme der englischen Exzentriker, etwa Robert Wyatt und Zoot Money, schwankte zwischen Vaudeville, Blues und hartem Rock, kannte das Gefühl des Jazz ebenso wie die Härte des Punk. Wenn der stämmige Mann später auf seinem Stuhl auf der Bühne saß, das breite Gesicht vom weißen Haar umweht, und die Gitarre wie ein Waschbrett bearbeitete, dann wurden die dunklen Seiten des Lebens öffentlich. Er hatte nicht die Attitüde des Schmerzensmannes, er war ärgerlich, kraftvoll und ironisch. Die Gitarre kratzte an den Texten oder umgekehrt, nie war etwas einfach - Sanity Stomp oder Dynamite Daze hießen die Platten dazu. Damit waren keine Preise zu gewinnen, nur Sympathisanten in ganz Europa. Ob Bücher, Bilder oder Musik - seine Mischung aus Woody Allen, Samuel Beckett und John Lennon steckt in jedem Teil. Als er während einer Tournee auf dem Münchner Oktoberfest endgültig abstürzte und irgendwann in der Nürnberger Bahnhofsmission landete, rettete ihn eine Liebe. Mit Malen, Mineralwasser, Geschichtenschreiben und Musik überlebte er in der Provinz, die Stadt Nürnberg wurde ihm ebenso Heimat wie die Labels Rockport und Ruf.

Manchmal denke ich, dass ich zu lange gelebt habe. Wäre ich 1979 gestorben, hätten sie gesagt: >Mein Gott, war er ein unverstandenes Genie.< Am 2.

Dezember 2004 verließ er im Alter von 60 Jahren endgültig das Exil. Nur sein Körper hatte aufgegeben.