Keiner kann sagen, die Arbeiter und Betriebsräte bei Opel hätten nicht wacker gekämpft. Und aus Sicht der Arbeitnehmer erfüllt der nach zähem Ringen mit den Managern von General Motors Europe ausgehandelte Kompromiss wohl auch die zwei wichtigsten Bedingungen: Es soll keine betriebsbedingten Kündigungen geben, und die komplette Schließung eines deutschen Standorts scheint vorerst abgewendet.

Weit weniger überzeugend stellt sich allerdings das Ergebnis auf längere Sicht dar. Offenbar ist General Motors nicht davon abzubringen, in Deutschland bis zu 10 000 Arbeitsplätze abzubauen. Der weitaus größte Teil davon soll nun über den Umweg Abfindung und Transfergesellschaften abgewickelt werden.

Transfergesellschaften bedeuten nichts anderes als Beschäftigungsfirma plus Weiterbildung. Solche zeitlich befristeten Gebilde haben die Aufgabe, ihre im Ursprungsbetrieb überflüssig gewordenen Mitarbeiter möglichst rasch wieder in regulären Jobs unterzubringen. Das ist auf den ersten Blick eine "sozialverträgliche" Methode des Arbeitsplatzabbaus, hat jedoch in der Praxis zwei gravierende Nachteile: Erstens schafft es regelmäßig nur ein Teil der transferierten Arbeitnehmer in der vorgegebenen Zeit – bei Opel wohl zwei Jahre – in ein neues reguläres Arbeitsverhältnis. Zweitens wird bei solchen Konstruktionen ein Großteil der Finanzlast via Arbeitsamt auf die Allgemeinheit abgewälzt.

Vergessen wir aber nicht, wer die aktuellen Probleme bei Opel vornehmlich verursacht hat: Das von der Mutter General Motors in Detroit ferngesteuerte Management der deutschen Tochter hat in den neunziger Jahren serienweise Fehlentscheidungen produziert. Erst dadurch wurden die relativ hohen deutschen Lohnkosten zum schwerwiegenden Problem.

Wird der jetzt in Europa gefundene Kompromiss von den Konzernoberen in Detroit abgesegnet, dann sind die Probleme bei Opel und seinen europäischen Schwestern längst nicht abgehakt. Es gilt noch auszuhandeln, welche Opfer die im Stammunternehmen verbleibenden Mitarbeiter bringen müssen, damit sie Zusagen für neue Modelle oder Teile und damit halbwegs sichere Arbeitsplätze bekommen. Besonders wichtig wird die Entscheidung sein, ob das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim und das ebenfalls konzerneigene Saab-Werk im schwedischen Trollhättan die nächste Generation der Mittelklasseautos Vectra und Saab 9.3 baut.

Sollten die Amerikaner die jetzige Lösung doch noch blockieren und die weiteren Entscheidungen allzu lange verzögern, wären die Folgen für das Image und damit auch den Absatz ihrer europäischen Marken fatal. Die Qualität der Opel-Modelle kann sich zwar wieder sehen lassen. Sie können aber nur am Markt reüssieren, wenn die Konzernführung schleunigst eine überzeugende Europastrategie präsentiert. Nur so kann General Motors den – nach der bitteren Schrumpfungskur übrig bleibenden – Mitarbeitern und letztlich auch den Kunden wieder Mut machen, sich zu Opel zu bekennen. Es gilt, aus der Defensive herauszukommen. VW und Mercedes sind da schon eine ganze Strecke weiter.