DIE ZEIT: Renate Künast hat Mitte vergangenen Jahres das Waldsterben für beendet erklärt. Warum gilt das nun nicht mehr?

Matthias Berninger: Ihre Annahme, die Ministerin habe das Waldsterben als beendet erklärt, gilt schon nicht. Sie hat damals gesagt, der Trend zur immer stärkeren Kronenverlichtung sei umgekehrt worden. Das galt auch über neun Jahre hinweg, bis zum Sommer 2003. Die Kernaussagen waren, dass der Wald wieder gesünder wächst und der Anteil von Mischwäldern zunimmt.

ZEIT: Sie hatte die Frage, ob das Waldsterben beendet sei, mit einem klaren Ja beantwortet und so für Schlagzeilen gesorgt.

Berninger: Nein ...

ZEIT: ... müssen wir in die Archive gehen?

Berninger: ... ich habe hier ja vorliegen, was sie gesagt hat. Richtig ist, dass das Waldsterben klassischer Prägung aus den achtziger Jahren, das Ende der Wälder, so nicht eingetreten ist. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe.

Erstens eine konsequentere Umweltpolitik, etwa bei der Luftreinhaltung und Entschwefelung. Zweitens hat der Fall des Eisernen Vorhangs viele Waldprobleme reduziert, vor allem im Osten. Nun zeigt sich, dass Klimaveränderungen dem Wald viel stärker zusetzen als angenommen. Der Jahrhundertsommer 2003 mit extremer Trockenheit und Borkenkäferplage war nicht vorhersehbar.