Gut gekleidete Gentlemen platzieren ihre Jetons, der Croupier lässt die Kugel in die Rouletteschale fliegen. Gedämpfte Klaviermusik, leises Lachen.

Wer denkt in dieser Glitzerwelt schon an Mord und Mafia?

Die tschechische Polizei. Mord, Anschläge, Bandenkriege. Das Organisierte Verbrechen, die Russenmafia, habe ihre Finger tief drinnen in einigen Kasinos, sagt David Kubalák, Sprecher des Prager Präsidiums der Bundespolizei.

Zum Beispiel Assi Abutbul. Im August explodierte mitten in der Fußgängerzone Na Prikope vor Abutbuls Kasino Hotel Royal eine Handgranate, 18 Menschen wurden verletzt, der Chef kam mit dem Schrecken davon.

Zum Beispiel Abutbuls Vater, Felix Baiza Abutbul. 2002 fiel er einem Bombenattentat zum Opfer. Oder George Jablan, der französische Besitzer des Jalta-Kasinos am Wenzelsplatz. Der wurde 1998 in einer Tiefgarage erschossen.

Zehn Millionen Einwohner hat Tschechien, in 151 Kasinos können sie ihr Geld loswerden. Pro Kopf besitzt kein anderes Land der Europäischen Union mehr Spielhöllen. Allein in Prag locken 30 Kasinos mit dem großen Gewinn. Und am Wochenende pilgern Tausende Touristen in die Glücksspieltempel im tschechischen Grenzland.

Mitunter finanzieren sie die Unterwelt. Das Prager Institut für Organisierte Kriminalität und Sozialprävention (IKSP) schätzt, dass organisierte Banden - Glücksspiel ist neben Prostitution und Drogenhandel einer ihrer Geschäftszweige - allein im Jahr 2001 rund 14 Milliarden Euro eingenommen haben. Das entspricht rund einem Fünftel des tschechischen Bruttosozialprodukts. Der ökonomische und soziale Schaden ist immens, sagt IKSP-Mitarbeiter Martin Cejp.