Als Deutschland nach dem Fall von Mauer und Stacheldraht wieder und neu vereinigt wurde, da fürchtete mancher, das Land könnte recht bald sich einem neuen Nationalismus hingeben. Mit einem Mal erschien die "Bonner Republik" als eine angenehme Idylle, fernab von  jedem Größenwahn, der doch in so vielen Beschwörungen der heraufziehenden "Berliner Republik" durchklang. Wie werde erst der Kanzler Helmut Kohl auftreten, wenn er erst die Nation wieder geeint habe, fragten sich viele - und zwar viele ausgerechnet aus jener Generation der 68er, die nun am Ruder stehen; oder sitzen. Doch während Kohl zu Hause dröhnte, auswärts aber Vertrauen weckte, dröhnen nun seine einstmaligen Kritiker im Ausland herum: Deutschland soll in den Weltsicherheitsrat, Deutschland soll dort das Vetorecht bekommen. Unter dem machen wir es nicht!

So also reden unsere Sunnyboys der nationalen Politik heute: Deutschland braucht einen Platz an der Sonne! (Wie weiland unter Willem Dö) Nun gut, die Sache mit dem Veto ist auf eine "Ausgangsposition" zurückgenommen worden. Aber das macht die Sache nicht besser, denn es gibt bestimmte Dinge, die man nicht nur der Taktik wegen einmal fordert, ein ander Mal schnell zurücknimmt. Wer wirkliche weltpolitische Verantwortung ernsthaft übernehmen will, sollte sich jedenfalls nicht beim ersten Anlauf schon lächerlich machen - oder zum Maulhelden.

Man muss also befürchten, dass erst jetzt, sechs Jahre nach Helmut Kohl, die Gnade der späten Geburt wirklich ausbricht, dass also in Wirklichkeit Joschka Fischer und Gerhard Schröder den außenpolitischen Takt und Instinkt vermissen lassen, den sie Kohl nie zugestehen wollten. Aber wir waren ja gewarnt, denn weshalb musste Gerhard Schröder in seiner ersten Regierungserklärung 1998 verkünden, Deutschland sei nun erwachsen geworden (also kein Mündel mehr), nur weil er selber Kanzler geworden war? Als Peter Handke noch gute Theaterstücke schrieb, handelte eines davon, dass der Mündel Vormund werden wollte, sozusagen mit Vetorecht.

Es gibt Gründe in Hülle und Fülle dafür, dass aus einem ständigen, mit Vetorecht ausgestatteten Sitz  für Deutschland im Weltsicherheitsrat nichts werden kann und sollte. Einer der nicht geringsten ist dieser: Wenn Europas Zentralachse an der dauerhaften Übereinstimmung zwischen Frankreich und Deutschland hängt, weshalb sollten sie dann als Nationalstaaten nebeneinander im Sicherheitsrat sitzen? Stimmen sie permanent im Gleichschritt, wär's eine unverdiente Verdoppelung, sozusagen eine "privilegierte Partnerschaft". Legte aber Paris oder Berlin gegen den Partner ein Veto ein, stürzte Europa in die Krise, ja die Katastrophe. Das kann man haben, muss man aber dann auch wollen - und verantworten.

Im Übrigen: Wie will ein Kanzler, der vor dem vermaledeiten Irak-Krieg erklärte, selbst wenn die UN, also der Sicherheitsrat, die Intervention beschlösse, werde sich Deutschland keinesfalls beteiligen, wie will ein Kanzler, der damals verächtlich nichts anderes sagte als: "Die sind mir egal!", nun ausrufen: "Ich will da rein?"  Ins Kanzleramt, das hatte ja geklappt - okay. Aber einmal reicht.