Was trinkt man in China? Tee. Und indigenes Bier. Sowie gewisse Schnäpse. Aber Wein? Oh ja, gewiss. Es wird dort sogar deutlich mehr Wein hergestellt als in Deutschland. Mehr, allerdings nicht unbedingt: besserer Wein. Nein, wahrhaftig nicht. Ich kenne einige dieser Flüssigkeiten, die davon Zeugnis ablegen, dass es sich nicht um ein Weinland handelt.

Vermutlich auch nie gehandelt hat. Wer weiß, was es war, das Marco Polo einst dort trank und als "Wein" pries. Vielleicht  Nachkommen jener Erzeugnisse, deren Reste kürzlich von Forschern in den Poren von 9000 Jahre alten Tonkrügen entdeckt wurden: vergorene Getränke aus Reis, Honig, Früchten, versetzt mit Aromaten wie Blumen und Kräutern (die entsprechende Studie wurde soeben in den Proceedings der National Academies of Science veröffentlicht). Die arbeitenden Subjekte des Herstellungsprozesses könnten in seiner ersten Phase Schimmelpilze gewesen sein, die sich an Kohlehydraten des Ausgangsprodukts gütlich taten und diese in Zucker umwandelten, der wiederum von hinzueilenden Hefen vergoren wurde.

Wie das jungsteinzeitliche Zeugs wohl geschmeckt haben mag? Wir wollen es vielleicht doch nicht wissen und greifen zum chinesischen Bambusschnaps, zu Tsingtao-Bier oder, noch lieber, zum Tee aus China.