Die zehntägige Reise sollte Horst Köhlers Liebe zu Afrika dokumentieren. Doch Liebe hat viele Facetten; eine davon zeigt das Gebaren eines mächtigen Vaters zum unmündigen Kind. Mit guten Ratschlägen und deutlichen Worten wollte Köhler ein selbstbewusstes Deutschland repräsentieren, das schwierige Diskurse nicht scheut – das führte zu Irritationen.In allen besuchten Staaten machte Horst Köhler unmissverständlich klar: Afrika müsse größere Anstrengungen unternehmen, um Armut und Unterentwicklung zu überwinden. Man solle nicht auf die Hilfe westlicher Länder warten. "Krieg ist nicht im Interesse der Menschen und infolge dessen auch zu vermeiden", sagte Köhler. Sollten die Auseinandersetzungen nicht in den Griff zu bekommen seien, bestehe die Gefahr, dass sich in den Geberländern die Menschen fragen würden, wo das Geld bliebe, wenn sich immer nur bekämpft werden würde, fügte er weiter hinzu. Viele Beobachter waren überrascht vom harschen Tonfall des Bundespräsidenten, der manchmal den Eindruck erweckte, er würde noch den Internationalen Währungsfond vertreten. So äußerte er gegenüber Benins Staatspräsident Mathieu Kerekou, in Sachen Korruption habe Benin noch viel zu tun, wolle das Land nicht das Investitionsklima hemmen – auf internationalem Parkett eine eher unglückliche Anmerkung.In Sierra Leone sorgte die knappe Direktheit des deutschen Gastes ebenfalls für erstaunte Mienen. Während eines Besuchs in einem Feldlazarett der UN-Friedenstruppen befragte er einheimische Patienten. Danach unterstellte er, die Antworten seien vorgegeben gewesen und warb für mehr Ehrlichkeit im Interesse eines ernsthaften Diskurses. Das galt auch für Äthiopien: Köhler rief zum Ende der Feindseligkeiten zwischen Äthiopien und Eritrea auf. "Beide Staaten können sich nach einem zweieinhalb Jahre andauernden Krieg mit mehr als 70.000 Toten keine weiteren Konflikte leisten", sagte der Bundespräsident in Addis Abbeba. Bis Ende November weigerte sich Äthiopien, die Entscheidung einer unabhängigen Grenzkommission - Waffenstillstand und internationale Vermittlung - aus dem Jahr 2002 anzuerkennen. Kürzlich lenkte das Land ein, doch Gegner Eritrea lehnte den Vorschlag ab und drohte mit erneuter Gewalt.Hier will Köhler ein Zeichen setzen und den Versöhnungsprozess fördern: Im Beisein des Präsidenten unterzeichnete Kerstin Müller, Staatsministerin des Auswärtigen Amtes, ein Abkommen zum Erlass der Auslandsschulden Äthiopiens. Damit wolle der Bundespräsident Afrika "als respektiertes Mitglied der Weltgemeinschaft unterstützen" – wenn der von Krisen und Hunger gebeutelte Kontinent den Weg dorthin aus eigener Kraft findet.