Als Angela Merkel den ersten von ihr ausgewählten CDU-Generalsekretär – einen klugen, aber vielleicht etwas zu wenig beißwütigen Mann – sehr schnell durch Laurenz Meyer ersetzen musste, protzte der sogleich herum, die Parteivorsitzende werde ihn so schnell nicht austauschen können. Heute allerdings können wir ebenso deutlich sagen: Sie wird ihn so lange nicht mehr behalten wollen.

Aber warum? Gegenüber all dem populistischen Geheul bleibt festzuhalten: Jeder Bundestagsabgeordnete darf so viel Geld neben seinem Mandat verdienen, wie er will und kann – solange er weder sein Mandat noch seinen Job vernachlässigt. Also weder hier noch dort, weder im Parlament noch am Arbeitsplatz, leistungsloses Einkommen bezieht. Und so lange er sein Gesamteinkommen ordentlich versteuert und seine Nebeneinkünfte dem Bundestagspräsidenten anzeigt, so sie einen bestimmten Betrag, nämlich 2500 Euro im Monat oder 15.500 Euro im Jahr, übersteigen.

Wo also liegt das Problem im Falle Laurenz Meyer? Zunächst in der persönlichen Glaubwürdigkeit, denn er rückte mit seinen Angaben nur stückweise heraus. Entweder hatte er dem Bundestagspräsidenten schon alles korrekt angezeigt – weshalb hat er dann nicht wenigstens den eigenen Freunden in der Parteispitze die volle Wahrheit gesagt? Oder er hatte dem Bundestagspräsidenten nicht alles ordentlich angezeigt – und scheute sich nun, eventuelle Schwindeleien einzuräumen. So oder so steht er nun dumm da…

Es kommt hinzu, dass der CDU-Vorsitzende Arentz gerade eben geschasst worden war – auch in seinem Falle ging es mehr um den Stil als um die juristische Sache: Wer sozusagen als Retter der Entrechteten auftritt, steht eben auch dumm da, wenn nun plötzlich herauskommt, dass er leistungslos 120.000 Euro im Jahr nebenher eingeschoben hat, ganz legal. Indem aber Laurenz Meyer den Parteifreund Arentz kräftig zu stürzen half, der doch nur aus derselben Tränke gesoffen hatte wie sein Generalsekretär, hat er sich nun wirklich sichtbar in die Reihe der ertappten Heuchler gestellt, ganz legal.

Es ist geradezu zum Mitleid bekommen mit Angela Merkel: Noch zur Jahresmitte war sie obenauf in den Umfragen und im Machtkampf innerhalb der Union. Jetzt denkt man fast zwangsläufig an den Ritus bei der Einsetzung eines neuen Papstes: Dem Gewählten wird ein kleines Knäuel Wolle vorgehalten, das – einmal entzündet – sofort verbrennt: Sic transit gloria mundi – so schnell vergeht der Ruhm der Welt. Das gilt für die Herren Arentz und Meyer, das gilt für Angela Merkel. Wenn wir doch über alledem nicht vergessen wollten, dass dies auch gilt für jeden von uns.