Fünf Spiele lang hat die deutsche Nationalelf nicht verloren. Mit Jürgen Klinsmann als Teamchef kam die positive Einstellung der National-Spieler und das "Mir san mir"-Gefühl zurück. Dank des ungebrochenen Optimismus und des Glaubens an die eigenen Stärken hat der in Kalifornien lebende Schwabe Fußball-Deutschland den Spaß an der Nationalelf zurückgegeben. Diese Klinsmann-Euphorie sorgte dafür, dass die Kahns, Schneiders und Ballacks wieder mit Selbstvertrauen und offensichtlicher Motivation zu Werke gehen.

Eine Fußballweisheit besagt, dass alle Serien dazu da sind, um irgendwann gebrochen zu werden. Und gerade Südkorea - die noch 2002 Deutschland im WM-Halbfinale mit 0:1 unterlagen - ist es jetzt gelungen den mutmachenden Lauf der deutschen Nationalelf zu stoppen. Den Ostasiaten genügte eine kompakte Abwehr und konterstarke Spieler, um das deutsche Team vor große Probleme zu stellen. Die Partie erinnerte an die jüngste Völler-Ära: in der Abwehr zu unkonzentriert, im Spielaufbau ungenau und im Sturm wenig abgeklärt. Mit einer neu formierten Abwehr gegenüber dem Japan-Spiel und dem Stuttgarter Kuranyi für Asamoah im Sturm gelang es der Klinsmann-Truppe zu selten, erfolgreichen Angriffsfußball zu bieten. Die zuletzt erfolglosen Koreaner bekämpften die deutschen Schwächen mit ihrer Stärke, dem Einsatzwillen.

Dabei hatte die Asien-Reise so hoffnungsvoll angefangen. Der umstrittene Trip kurz vor Weihnachten begann mit einem überlegenen 3:0 Erfolg gegen den amtierenden Asienmeister Japan. Zugegebenermaßen hat Deutschland gut gespielt, hatte aber auch einen erstaunlich schwachen Gegner. Die Niederlage gegen Korea stellt die erste Herausforderung für den Teamchef dar. Jetzt muss er beweisen, dass er auch nach schlechten Ergebnissen die Moral in der Mannschaft aufrecht erhalten kann. Kein Spielverlust ist der Psyche der Spieler zuträglich. Sollte es Klinsmann mit seinem Strahlemann-Charme schaffen, in den Köpfen der Spieler diese Partie als Ausnahme von der Regel zu manifestieren, hat er seine erste große Prüfung bestanden.

Wie stark ist der Zusammenhalt in der Mannschaft wirklich? Immerhin stehen im Team Spieler, die sich in der Bundesliga gegenseitig an den Kragen gehen, wie am letzten Spieltag Ballack und Kuranyi. Mit Klose und Brdaric stehen gleich zwei Stürmer im Aufgebot, die sich schon auf dem Platz körperlich mit Oliver Kahn angelegt haben. Auch die Integration der zahlreichen Nationalmannschaftsdebütanten dürfte noch nicht abgeschlossen sein. Spieler wie Engelhardt, Schulz oder Owomoyela müssen erst einmal ihren Platz in der deutschen Auswahl finden. Selbiges gilt für die Kicker, die in Ligaspielen nicht regelmäßig zum Einsatz kommen (Huth bei Chelsea London), nicht in der obersten Spielklasse kicken (Podolski beim 1. FC Köln) oder wegen Formschwankungen in der Regionalliga Spielpraxis sammeln müssen (Bayerns Schweinsteiger). Werden diese Spieler als vollwertige Mitglieder der Nationelf akzeptiert? Klinsmann und sein Team haben in diesem Bereich noch viel Arbeit zu leisten.

Klinsmann hat den richtigen Grundstein gelegt. Zielgerichtet bereitet er das Team auf das große Ziel, die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land, vor. Die Aussichten, bis dahin ein turnierfähiges Team zu bilden, sind auch nicht schlecht. Die vor Jahren angestoßene Nachwuchsförderung vom DFB und den Bundesligavereinen trägt langsam Früchte. Die kommende Generation der Abwehrspieler um Mertesacker, Lahm und Huth lässt darauf hoffen, dass in 1,5 Jahren keiner mehr der Defensivabteilung von 1990 nachtrauern wird. Auch im Mittelfeld und Sturm ergänzen die "Jungen Wilden" die erfahrenen Spieler wie Frings und Ballack. Auch im Offensivbereich hat Klinsmann mit dem "K und K"-Sturm (Klose und Kuranyi) Spieler im Aufgebot, die im internationalen Vergleich mithalten können. An den Einzelspielern mit Klasse wird es nicht mangeln. Wichtig ist es, die Mischung zwischen jugendlicher Spielfreude und versierter, taktisch reifer Spielanlage zu erlangen. Allein mit guter Stimmung wird der Teamchef dieses nicht schaffen.

"Diese Niederlage ist kein Beinbruch", sagt Klinsmann nach dem Korea-Spiel wohl in der Hoffnung, dass noch Resteuphorie aus den vorangegangenen Spielen die Nationelf ins neue Jahr begleiten wird. Sollte Deutschland gegen Thailand (Dienstag, 21.12.) nicht überzeugen können, wird es schwer werden im nächsten Jahr gegen Teams wie Argentinien, Italien oder die Niederlande zu bestehen. Wird dieses eintreten, wird das Klinsmann-Prinzip ins Wanken kommen. Das wollen wir nicht hoffen.