Das Ausmaß der Flutwellen nach dem Seebeben vor Sumatra ist immer noch nicht absehbar. Die vorläufige Bilanz in den vier am meisten betroffenen Ländern (Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand) berichtet von mehr als 67 000 Toten, aber zehntausende Menschen werden weiter vermisst. Jede Stunde wächst die Zahl der Opfer. Der Schaden liege "jenseits der Vorstellungskraft" sagte heute der stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Egeland der BBC.

Indonesien geht von bis zu 40 000 Toten aus, in Sri Lanka seien es 21 000. Die ufernahen Gegenden rund um die Provinzhauptstadt Banda Aceh im Norden der Insel Sumatra seien völlig verwüstet. Hunderttausende Einwohner seien vor den Wassermassen geflohen. Offiziellen Quellen zufolge sind in Indien rund 10 000 Todesopfer zu beklagen, während in Thailand die Zahl der Toten auf mehr als 2 000 gestiegen ist. Der thailändische Vize-Innenminister Sutham Sangprathum sprach von mindestens 770 ausländischen Opfern; am schwersten betroffen sei das Feriengebiet von Khao Lak in der Provinz Phang Nga, wo insgesamt mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen sein könnten.

Ein Beispiel der jetzigen Lage: Der Strand im südindischen Vailankanni, an dem bis Sonntag noch Hütten und kleine Läden standen, ist ein Trümmerfeld. Drei gigantische Wellen haben Fischerboote und andere Reste der Zerstörung bis in das Dorf getragen. "Es gibt nichts mehr zu retten", sagt ein Fotograf vor Ort. "Das hat niemand überlebt."

Die UN kündigte daraufhin die größte Hilfsaktion in ihrer Geschichte an und sprach von Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Dollar. Flüge mit Medikamenten und Lebensmitteln sollen bis Mittwoch in Südasien eintreffen. Experten warnen vor der Gefahr sich ausbreitender Seuchen in den Katastrophengebieten. Besonders schwierig gestalteten sich die Hilfsaktionen auf Sumatra, wo die meisten Menschen ums Leben kamen. Der Chef des Distrikts Aceh Jaya, Zulfian Achmad, sprach von einer "apokalyptischen Situation"; 60 bis 70 Prozent der Einwohner der Distrikt-Hauptstadt seien durch die bis zu 15 Meter hohen Fluten in den Tod gerissen worden. Da es nicht möglich sei, die zahlreichen Leichen zu transportieren, würden diese direkt am Fundort begraben.

Besonders die ärmsten Familien und die Kinder seien betroffen, teilten Mitarbeiter des UNICEF mit. Sie begannen in Indien mit der Installation von Trinkwassertanks und verteilten an die ersten von einer Million obdachlosen in Sri Lanka Wohn- und Kochmaterial.