Zwei Tage dauerte das Experiment der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, dann war klar, dass ihr Generalsekretär Laurenz Meyer seinen Posten doch räumen muss. Nicht Angela Merkel hatte Meyer am Ende aus dem Amt gedrängt, sondern der Zorn der Parteibasis, die ihrem Berliner Frontmann die umstrittenen Zahlungen des Energiekonzerns RWE, vor allem aber seinen Umgang mit den Vorwürfen nicht nachsehen wollte.

"Herr Meyer kann seine Arbeit fortsetzen", hatte Merkel am Montag Nachmittag verkündet, da war den meisten in der CDU, auch Merkel selbst, schon klar, dass dieser Satz ein baldiges Verfallsdatum hatte. Was also hat die CDU, was hat Merkel mit dem zweitägigen Aufschub gewonnen?

Zunächst einmal Zeit. Der Baden-Württemberger Volker Kauder war als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer Merkels rechte Hand in der Fraktion, dem operativen Zentrum der Bundespolitik. Ihn zu ersetzen wird nicht leicht. Bis zuletzt war deshalb in der Spitze der CDU über andere Möglichkeiten beraten worden. Dass es am Ende keine tragfähige Alternative gab, macht auch deutlich, wie eng inzwischen der Personalpool ist, aus dem die Vorsitzende schöpfen kann. Immerhin kann sie nun von sich behaupten, dass sie ihren getreuen Meyer nicht sofort hat fallen lassen. Meyer bekam die Möglichkeit eingeräumt, den Rücktritt mit Verweis auf seine "Schmerzgrenze als Vater und Freund" gesichtswahrend als eigenen Entschluss zu verkaufen. Misslich ist die Sache für die CDU, keine Frage.

Doch die zweitägige Hängepartie hat den Schaden auch nicht vergrößert. Und mittel- und langfristig dürfte Merkel mit der neuen Konstellation sogar besser dastehen. Mit einem belasteten Generalsekretär in die Landtagswahlkämpfe in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen und schließlich in den Bundestagswahlkampf zu ziehen, das hielten die CDU-Statthalter in den Ländern zu Recht für schwer erträglich.

Volker Kauder gilt, anders als Meyer, als politisches Schwergewicht. Als Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg organisierte er dreimal überaus erfolgreich den Wahlkampf für den amtierenden Ministerpräsidenten Erwin Teufel. Für die ostdeutsche Quereinsteigerin Angela Merkel, die mit dem unbedeutenden Landesverband Mecklenburg-Vorpommern über keine eigene Machtbastion verfügt, stellt Kauder aber vor allem eine Verbindung zur einflussreichen südwestdeutschen CDU her. Männlich, westlich, hartgesotten - was Merkel zum noch immer verbreiteten Idealbild einer konservativen Führungsfigur fehlt, kann sie sich bei ihrem neuen Partner Kauder gleichsam leihen.

Mit ihrem ersten Generalsekretär Ruprecht Polenz hatte Merkel den Fehler gemacht, sich einen Mann an die Seite zu holen, der ihrem eigenen Profil zu ähnlich war. Weil Polenz in der eigenen Partei stets als zu liberal verdächtigt wurde, war die Vorsitzende zu ständigen Ausgleichsübungen als konservative Hardlinerin gezwungen. Meyer brachte zwar ein Image als fröhlicher Brutalo mit, aber wenig an strategischer Weitsicht. Einen zweiten Missgriff könne Merkel sich nicht erlauben, schwadronierte er bei seinem Amtsantritt. Das war taktlos gegenüber seinem Vorgänger, aber wahr - und der Grund dafür, dass Meyer nicht schon viel früher seinen Posten räumen musste.

Mit seinem eigenen Missgriff könnte er seiner Vorsitzenden am Ende einen guten Dienst erwiesen haben - wenn es gelingt, auch die entstandene Leerstelle in der Fraktion auszufüllen.