General Tommy Franks erzählt, wie er den Krieg gewann, nicht aber, wie er den Frieden verlor

In Memoiren wurde schon immer zurechtgedreht, ausgelassen und geradewegs gelogen. Die Erinnerungen von General Tommy Franks, als Chef des U. S. Central Command (Centcom) von Juli 2000 bis Juli 2003 für die Führung der Kriege in Afghanistan und im Irak verantwortlich, sind hier keine Ausnahme. Dabei enthalten sie einige Neuigkeiten: Durch den Agenten »Aprilscherz«, der dem irakischen Geheimdienst Mukhabarat noch kurz vor Kriegsbeginn gefälschte Stabspläne zuspielte, gelang es laut Franks, Saddam Hussein davon zu überzeugen, dass auch ein Angriff von Norden bevorstehe: 13 Divisionen wurden so gebunden. Den Sandsturm nach Beginn der Landoffensive nutzte Centcom, im Kontrast zum Bild des festgefahrenen Vormarsches, für ein entscheidendes Luftbombardement.

Einige Nachbarn des Iraks waren weit hilfreicher, als es den Anschein hatte, und offenbar von der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen überzeugt. Präsident George W. Bushs »Top-Gun«-Auftritt am 1. Mai 2003 stieß Franks unfreiwillig an, als er anregte, den Truppen in irgendeiner Form zu danken. Und er bestätigt, was schon bekannt ist: Bereits Ende November 2001, als die Offensive gegen die Taliban noch im vollen Gange war, verlangte der Präsident nach einem neuen Plan für einen Angriff auf den Irak.

Der General bewahrt sich ein Maß an Unabhängigkeit und verteilt verhaltene Kritik quer durch die Bank: an Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (»zentralistischer Führungsstil«), dem er allerdings – wie auch Bush – an vielen Stellen Hochachtung zollt, an Pentagon und Außenministerium (»mangelhafte Kooperation«), an die Chefs der US-Teilstreitkräfte (»engstirniges Denken«). Am Ende haben Franks und sein Ghostwriter Malcolm McConnell aber nicht viel mehr geschrieben als eine hollywoodreif präsentierte, manchmal recht klischierte Unterfütterung des »Kriegs gegen den Terror«.

Vieles fehlt. Nach den Plünderungen in Bagdad und anderswo, die die Autorität der Besatzungstruppen von Anfang an untergruben, oder den gezielten Angriffen auf Journalisten, insbesondere von al-Dschasira, sucht man beispielsweise vergebens.

Das Motto seiner Blitzkriegstrategie »haul ass and bypass« – die »Hufe schwingen« und vorbeiziehen – scheint auch für die Reaktion auf die größte Kritik zu gelten, die Franks entgegengebracht worden ist, nämlich die Planung der Nachkriegszeit vernachlässigt zu haben. Zwar betont Franks die Wichtigkeit der jeweiligen »Phase IV / Nach Ende der Kampfhandlungen« sowohl in Afghanistan als auch im Irak, doch bleibt im Nebel, was ihm dabei vorschwebte.

Dass Franks am Beginn des 21. Jahrhunderts eine Revolution der Kriegsführung durchgesetzt hat, ist unbestritten. Hierin liegt seine geschichtsträchtige Leistung. Eine Reihe seiner wiedergegebenen Einschätzungen vom Schlage »Für den Terrorismus sind Terroristen verantwortlich« sind dagegen beängstigend einfach in einer komplizierten Welt.

Steht Franks für das Denken der Mehrheit amerikanischer Militärs, dann sind die USA auf absehbare Zeit dazu verurteilt, beinahe jeden zukünftigen Krieg spielend zu gewinnen – und stets den Frieden zu verlieren.

General Tommy Franks erzählt, wie er den Krieg gewann, nicht aber, wie er den Frieden verlor