Noch zwei Sprünge, dann fällt der Vorhang für die One-Man-Show bei der 53. Vierschanzen-Tournee. Kaum jemand zweifelt noch daran, dass Janne Ahonen auch in Bischofshofen nach dem finalen Sprung die Hände siegesbewusst in Richtung Alpen strecken wird. Doch so euphorisch wie der vom Burn-Out-Syndrom geplagte Sven Hannawald anno 2002 seiner Freude über den souveränsten Tourneesieg aller Zeiten Ausdruck verlieh, wird der Finne sich wohl nicht geben, wird sich nicht der Länge nach in die Neuschnee-Kunstschnee-Mischung fallen lassen und ungläubig über das gerade erreichte beide Hände über dem Helm zusammenschlagen. Introvertiert und charismatisch ist Ahonen, doch hierzulande scheinen andere Attribute gefragt, damit das einstige Spektakel Vierschanzen-Tournee nicht noch mehr an Popularität einbüßt. Gibt es sie noch, die Typen, für die wir am Neujahrstag verkatert den Fernseher einschalten?Flutlichtspringen, Lightshows und technische Innovationen sollen da helfen, wo sie momentan rar sind, die Idole. Es wird sich zeigen, ob so das Sinken der Quoten aufgehalten werden kann, für die vor zehn Jahren noch ein schnauzbärtiger Oberwiesenthaler namens Jens Weißflog sorgte. Legendär seine Duelle mit Andreas Goldberger, noch so einem Sympathieträger, über dessen Grimassen und Eskapaden sich auch hierzulande gefreut wurde, Österreicher hin oder her. Die sportliche Vergangenheit lehrt uns, dass es schon damals "neuer Helden" bedurfte, als Weißflog sich seine vielen Medaillen schnappte und in den sportlichen Ruhestand trat.Mit Martin Schmitt kam auch die Popularität zurück zum Skispringen. Erfolgreich war er, "Teenie-Schwarm" nannte man ihn, unter Kuhglockengeläut raste er die Schanze hinunter und avancierte indes gar zum Werbestar. Seine Lila Kappe trägt er auch heute noch bei Fernsehinterviews. Tapfer stellt sich der einstige Olympiasieger den Reportern, die nach Gründen fragen für die Sprünge, die zuletzt nicht seinem Potenzial entsprachen.Ebenfalls für die Reinkarnation erfolgreichen Schanzensports verantwortlich zeichnete seinerzeit Sven Hannawald. Jahrelang sprang er der nationalen und internationalen Konkurrenz hinterher, um dann aus dem Nichts Rekorde aufzustellen, auch was die Einschaltquoten betraf. Während Schmitt Sprung um Sprung seine Form sucht, fachsimpelt das rekonvaleszente Zugpferd Hannawald mal lobend, mal wehmütig als Co-Kommentator aus der Sprecherkabine. Sein gewohntes "ich mach einfach mein Zeug", mit dem er seine Siege erklärte, ist nicht mehr von ihm zu hören. Diagnose: Erschöpfungssyndrom.Doch gerade diese beiden sind es, die Fans und Tournee-Investoren für die nächsten Jahre Hoffnung geben. Unerwartet merkte Schmitt beim dritten Springen in Innsbruck, dass der Abstand zur Spitze schrumpft und Hannawald spricht bereits über seine Olympiateilnahme 2006. Auch wenn auf dem Siegertreppchen dieses Mal keiner der bisher genannten stehen wird, verlieren sich sicher viele Fans in Tagträumen, in denen ihre Idole von einst so weit oben postiert sind wie einst. Womöglich werden sie geweckt von Malysz, Höllwarth und natürlich Ahonen, einer anderen Generation von Typen.