DIE ZEIT: Frau Saalfrank, wie fühlen Sie sich als neue Mutter der Nation?

Katharina Saalfrank: Ach, ich mache mir das gar nicht so klar. Auch wenn die Mitschüler meiner Kinder etwas durchdrehen und Autogramme wollen. Mein Mann und ich sind seit zwölf Jahren zusammen, wir haben vier Kinder, und wir waren immer die Exoten. Wir haben gearbeitet, studiert, stehen jeden Morgen um Viertel vor sechs auf und gehen jede Nacht um halb eins ins Bett. Uns haben die Leute andauernd gefragt: Wie macht ihr das?

ZEIT: Haben Sie keine Nanny?

Saalfrank: Nein, wir hatten drei Jahre lang Au-pair-Mädchen, aber die haben mehr Unruhe gebracht als unterstützt. Sie sind zu jung, jede Woche ging etwas schief. Die haben die Kinder zu Veranstaltungen gebracht und dort vergessen. Ich bin aber auch keine Nanny, sondern mache Elternberatung.

ZEIT: Denken Sie, die Sendung würde auch mit einem Supervater funktionieren?

Saalfrank: Ich glaube, es geht nicht um Väter oder Mütter, sondern um das, was transportiert wird. Klar, es ist Fernsehen, Unterhaltung, und man kann sich fragen: Was ist mit uns los, wenn Familien in ihrer Verzweiflung im Fernsehen bloßgestellt werden? Aber ich kann doch eine Diskussion anregen über Fragen wie: Was sind Werte? Reden wir miteinander? Nehmen wir uns ernst? Wie die Leute miteinander umgehen, das spiegelt sich in den Familien wider.

ZEIT: Die Familie als Abbild dessen, was in der Gesellschaft nicht funktioniert?