Kapstadt

Das Ende der Weißen in Afrika – da denkt man gleich an die dramatischen Bilder von der Elfenbeinküste, die im Oktober um die Welt gingen, an die zu Tode verängstigten Menschen, die in der Hauptstadt Abidjan auf den Hausdächern standen, während der entfesselte Mob ihre Wohnungen brandschatzte und "Tod den Weißen!" schrie. Man denkt an die Rauchwolken über französischen Schulen, Restaurants und Buchläden und an das Geknatter der Militärhubschrauber, die den Bedrängten Rettung brachten.

Die Jagdszenen in Côte d’Ivoire lösten eine Massenflucht aus. 7000 Europäer, in der Mehrheit Franzosen, verließen Hals über Kopf ihre Wahlheimat. Die Nachfahren der einstigen Kolonialherren hatten bis zuletzt gehofft, dass das ehemalige Musterland Westafrikas nicht im Chaos des Bürgerkrieges versinken würde. Aber der Hass griff um sich wie ein Buschfeuer.

Andernorts in Afrika kündigte sich die Vertreibung der Weißen ganz unspektakulär an, wie ein Brandschimmer am Horizont, den zunächst niemand wahrnimmt. Wer hätte sich zum Beispiel vor vier Jahren, auf der Landwirtschaftsmesse in Harare, vorstellen können, dass es in Simbabwe bald keine angelsächsischen Farmer mehr geben würde? Alles war wie immer. Stolze Rinderzüchter präsentierten ihre Turbokühe, Bäuerinnen verkauften Federvieh, pausbäckige Landkinder wieselten herum – eine zeitlose Siedleridylle in Afrika, rein weiß und very british. Nur die Landmaschinenhändler grummelten. Keiner wollte ihre Mähdrescher, Melkstände oder Traktoren kaufen. Damals wurden die ersten Gehöfte besetzt.

Diese unheimlichen Geräusche. Das Gebell der Hunde. Und die Trommeln. Mitten in der Nacht sind sie manchmal zu hören, dumpfe, eintönige Rhythmen, vom Wind über die Kuppe geweht. "Es ist furchtbar. Ich fahre oft aus dem Schlaf hoch", erzählt die Farmersfrau Liz Lapham. "Wir haben Angst, dass sie kommen und alles zerstören. Dass sie uns umbringen." Sie: die landlosen Schwarzen, die, aufgehetzt von Präsident Robert Mugabe und seiner Clique, die Ländereien der Weißen okkupieren. Die toyi-toyi tanzen, die Stampfpolka des Widerstands, und "Hondo! Hondo!" brüllen, "Krieg!".

Ausgelöscht "wie weiße Kreide auf einer schwarzen Tafel"

Der Krieg begann im Wahlkampf. Die Opposition war gefährlich stark geworden, zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit Simbabwes anno 1980 sah sich der scheinbar allmächtige Staatschef Mugabe wirklich bedroht. Sein Regime hatte das Land heruntergewirtschaftet und brauchte Sündenböcke: die Europäer, die Großgrundbesitzer, die ewigen Kolonialisten. Sie waren weiß und reich und arrogant. Die Probleme des Landes ließen sie völlig gleichgültig, viele behandelten ihre schwarzen Arbeiter wie Sklaven. Mugabe hatte schon oft angedroht, sie zu verjagen. Diesmal machte er Ernst, und draußen, auf der Farm Devonia, prophezeite der Besitzer Dennis Lapham: "Dieses Land wird untergehen."

Vier Jahre später ist es still geworden in Simbabwe, still wie auf den Matobo Hills, wo Cecil Rhodes ruht, der ruchloseste aller Landräuber im Namen der englischen Krone. Seine Grabstätte wirkt so imperial, als wolle er die Welt am Fuße der Berge selbst im Tode festhalten. Aber Rhodesien, sein gelobtes Land, ist jetzt in der Hand von Parteibonzen und selbst ernannten Kriegsveteranen. Tausende Hektar Ackerland liegen brach. Farmen, geplündert bis auf die letzte Gabelzinke, verfallen. Die Wirtschaft ist ruiniert. Millionen hungern. Von 4500 weißen Farmern sind vielleicht noch 200 übrig geblieben. Nun werden die Folgen der Kolonialzeit ausgelöscht "wie weiße Kreidezeichen auf einer schwarzen Tafel", kommentiert die Zeitschrift New African.