Höhere Gewalt als Stornierungsgrund

Geplante Reisen ins Krisengebiet können derzeit mit dem Hinweis auf „höhere Gewalt“ und den möglichen Gefährdungen durch Nachbeben storniert werden. Die Reiseveranstalter selbst haben diesen Grund für die Absage der Flüge angegeben. Wichtig dabei: Die Stornierung ist gebührenfrei, auf Umbuchungsangebote des Veranstalters braucht sich der Reisende nicht einlassen. Sibylle Zeuch, Sprecherin vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalterverband (DRV): „Viele Veranstalter informieren ihre Kunden. Die Regelungen für Umbuchungen und Stornierungen sind unterschiedlich und sollten beim Veranstalter direkt erfragt werden.“ Theo Wolsing, Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, rät deshalb: „Auf jeden Fall sollte die Stornierung möglichst zügig erfolgen, denn nur im Gefährdungsfall ist sie ohne Probleme durchführbar.“

Kündigung während der Reise

Anteilig muss sich der Reisende an Kosten und Mehrkosten beteiligen, wenn er sich bereits auf der Reise befindet. Befindet sich ein Urlauber beispielsweise im Unglücksgebiet, muss er den bis zum Seebeben verbrachten Urlaub sowie den im Pauschalpreis kalkulierten Rückflug bezahlen. Entstehen durch die Rückbeförderung Mehrkosten, dann tragen diese der Reisende und der Veranstalter je zur Hälfte. Solche Mehrkosten entstehen sehr schnell: Verlängert sich durch die Katastrophe der Aufenthalt, muss der Reisende dafür alleine aufkommen. Sibylle Zeuch dazu: „Viele Veranstalter lassen Kulanz walten und stellen die Mehrkosten nicht in Rechnung.“ Rechtlich verpflichtet sind sie dazu allerdings nicht. Theo Wolsing weist allerdings daraufhin, dass Reiseleistungen wie Verpflegung, Unterbringung oder als Reisebestandteil gebuchte Ausflüge, die der Reiseveranstalter nicht mehr vertragsgemäß erbringt, verrechnet werden können.

Übrigens: Reiserücktrittsversicherung zahlen die Mehrkosten auf gar keinen Fall, da sie vertraglich die Zahlung im Falle höherer Gewalt ausschließen. Und Individualreisende stehen generell wesentlich schlechter da: Sie erhalten den Flugpreis nur dann zurück, wenn der Flug ersatzlos gestrichen wird. Kosten für die Umbuchung auf eine andere Maschine oder erhöhte Aufwendungen für die Unterkunft müssen sie selbst tragen. Wolsing: „Fluggesellschaften sollten in einem solchen Fall unbedingt um eine Kulanzregelung gebeten werden.“

Verletzung und Tod

Viele tote und verletzte deutsche Urlauber sind in den Katastrophengebieten mittlerweile zu beklagen. Schadensersatzansprüche gegen die Reiseveranstalter haben die Betroffenen und ihre Angehörigen nicht. Wurde aber eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, werden die Rücktransportkosten oder die Bestattungs- und Überführungskosten bezahlt. Eine Auslandsreisekrankenversicherung ist nicht nur deshalb ein absolutes Muss für jeden Urlaub, für rund zehn Euro ist sie auch noch recht billig zu haben. Unfall oder Todesfall können darüber hinaus über Unfall- oder Risikolebensversicherungen finanziell abgesichert werden – diese sind aber nur in bestimmten Fällen überhaupt sinnvoll und nicht generell zu empfehlen. Der Schutz gilt bei normalen Verträgen dann weltweit. Die zusätzliche Absicherung über spezielle Reiseversicherung für diesen Bereich ist deshalb unsinnig.